"Freischütz" mit Publikumsbeteiligung

21. Juli 2014, 17:38
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Carl Maria von Webers Oper in der Version von Regisseur Georg Schütky auf der Waldviertler Ruine Gars

Der alte, weise Eremit hat nur einen kurzen Auftritt in der Schlussszene in Carl Maria von Webers Oper Der Freischütz. Librettist Johann Friedrich Kind hatte diese Figur ersonnen, um ein Happyend zu ermöglichen: Dank eremitischer Fürsprache wird Jägerbursche Max, der sich mit dem Leibhaftigen eingelassen hat, nicht in die Verbannung geschickt, sogar die Erbförsterstochter Agathe darf er heiraten.

Nicht so in der Version von Regisseur Georg Schütky: Da stolpert der Eremit (Bass Yasushi Hirano), schon während der Ouvertüre aus einer Art Zirkuswagen, in dem er und Unterteufel Samiel vor die Mauer der Burgruine Gars geschoben werden. Dann erklimmt er den Wagen, bespritzt den in Lumpen gehüllten Chor aus einem Kanister und vollführt Tai-Chi-Übungen. Als er endlich seine Stimme erheben darf, entpuppt sich Yasushi Hirano als bester Sänger der Freischütz-Produktion.

Auf der Waldviertler Ruine Gars wird schon seit 25 Jahren Sommeroper gespielt. Seit heuer ist Dirigent Johannes Wildner für das Festival verantwortlich. Als musikalischer Leiter hatte er bei der Premiere noch Koordinationsschwierigkeiten zwischen Orchester, Chor und Solisten. Seine Aufforderung an das Publikum, beim Jägerchor mitzusingen, wurde von etwa der Hälfte befolgt, die andere Hälfte fand es eher peinlich. Was auch für die Regieleistung gilt.

Denn wenn dabei ein verdreckter Chor, eine vermöbelte Agathe (sängerisch eine Glanzleistung: Bettina Jensen), ein hopsendes Gespenst und ein jonglierender Caspar herauskommen und insgesamt der Eindruck eines Laientheaters entsteht, fragt man sich, ob dem Publikumsschwund wirklich mit solchen Inszenierungen begegnet werden kann. (kivi, DER STANDARD, 22.7.2014) 

Weitere Aufführungen: 23., 25., 27., 31. Juli, 2., 7., 9. August, jeweils

20.00

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