Neue Grabungen am ältesten römischen Militärlager Deutschlands

21. Juli 2014, 15:16
6 Postings

Größe und Form des Lagers aus der Zeit Julius Cäsars sollen festgestellt werden

Mainz - Archäologen setzen ihre Arbeit am ältesten römischen Militärlager auf deutschem Boden fort: Vom 28. Juli an untersuchen Wissenschafter vier Wochen lang den Anbau des Hauptlagers bei Hermeskeil rund 30 km südöstlich von Trier im Hunsrück, sagte Archäologin Sabine Hornung. Ziel sei es, den Verlauf der südlichen Befestigung des sogenannten Annexes zu klären.

"Dann können wir endgültig sagen, wie groß das Lager war und welche Form es hatte", sagte Hornung. Die antike Garnison war am Ende des Gallischen Krieges 53 oder 51 vor unserer Zeitrechnung von den Truppen Julius Cäsars in unmittelbarer Nähe zu der spätkeltischen Siedlung "Hunnenring", einer monumentalen Befestigungsanlage des zwischen Rhein und Maas ansässigen keltischen Stamms der Treverer, errichtet worden. Der Nachweis gelang Forschern 2012 über Schuhnägel und Keramikscherben, die genau datiert werden konnten.

Platz 5.000 bis 10.000 Soldaten

Bisher wird die Größe der Anlage mit Befestigungswall auf 26 bis 30 Hektar geschätzt. "Ich hoffe, dass wir es nach den Grabungen genauer sagen können", sagte Grabungsleiterin Hornung vom Institut für Altertumswissenschaften. Die Anlage war wohl an jenem Ort angelegt worden, um den Widerstand der Treverer gegen Rom zu brechen. Im Anbau sei möglicherweise der Tross zur Versorgung untergebracht gewesen, sagte Hornung.

Im März 2010 hatte das Team um Hornung von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) mit Unterstützung des Rheinischen Landesmuseums Trier die Arbeiten in Hermeskeil aufgenommen. Zunächst wurden Größe und Form des mit einem Erdwall und einem vorgelagertem Graben befestigten Militärlagers erfasst. Demnach besteht die Anlage aus einem annähernd rechteckigen Erdwerk mit abgerundeten Ecken, das Platz für mehrere tausend Soldaten – sowohl Fußtruppen als auch berittene Hilfstruppen – bot. Hinzu kommt eine Erweiterung, die eine Quelle umschloss und so die Wasserversorgung der Soldaten sicherte.

Schuhnägel halfen bei der Datierung

Auf Basis dieser Erkenntnisse waren gezielte Ausgrabungen möglich, bei denen im Sommer 2011 die Freilegung eines der Tore des Lagers gelang. Es handelte sich hierbei um einen Durchlass in den aus Wall und Graben bestehenden Befestigungen, der mit einem Steinpflaster versehen war. In den Zwischenräumen dieses Pflasters fanden die Archäologen um Hornung zahlreiche Schuhnägel, die einst die Sandalen der römischen Soldaten besetzten und sich beim Laufen gelöst hatten. Größe und Form dieser Nägel lieferten ein erstes Indiz für die Datierung des Militärlagers von Hermeskeil in die Zeit der späten Republik bzw. des Gallischen Krieges. Diese Vermutung konnte anhand der bei den Ausgrabungen entdeckten Scherben von Tongefäßen und mittels naturwissenschaftlicher Datierungen weiter bestätigt werden.

Die besondere historische Bedeutung des Militärlagers von Hermeskeil liegt in seiner Beziehung zur benachbarten treverischen Siedlung "Hunnenring". Hornung und ihr Team bestätigten anhand aktueller Grabungen, dass diese Siedlung um die Mitte des 1. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung von ihren Bewohnern aufgegeben wurde. Bis zur Entdeckung des Lagers bei Hermeskeil konnte über einen möglichen Zusammenhang mit den Ereignissen des Gallischen Krieges lediglich spekuliert werden.

Gespaltene Treverer

Julius Caesar berichtet in den Kommentaren zum Gallischen Krieg von einer Spaltung des Stammes der Treverer in eine romfeindliche bzw. romfreundliche Partei. Die von Seiten der romfeindlichen Partei unter der Führung des Adeligen Indutiomarus und seiner Verwandten angezettelten Unruhen hatten in den Jahren 54/53 und 51 vor unserer Zeitrechnung römische Vergeltungsschläge zur Folge, in deren Zuge der treverische Widerstand gegen die Eroberer gebrochen wurde. Mit den Entdeckungen bei Hermeskeil liegen nun erstmals direkte archäologische Zeugnisse dieser bewegten Episode der Weltgeschichte vor. (red, derStandard.at, 21.07.2014)

  • Ein Teil der Pflasterung in der Torgasse mit einem Schuhnagel zwischen den Steinen. Anhand dieser Nägel konnten die Wissenschafter das römische Lager zeitlich einordnen.
    foto: sabine hornung, arno braun

    Ein Teil der Pflasterung in der Torgasse mit einem Schuhnagel zwischen den Steinen. Anhand dieser Nägel konnten die Wissenschafter das römische Lager zeitlich einordnen.

Share if you care.