Eine Badewanne im Blumenbeet

22. Juli 2014, 05:30
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Alfred Herzig züchtet Kaffee, Kakteen und Orchideen im Hochland Guatemalas und lauscht dem abendlichen Gequake der Frösche

In meinen Zwanzigern habe ich bereits mehrere Jahre als Lehrer in Namibia verbracht. Wieder zurück, sehnte ich mich im kalten Österreich nach dem Licht der Wärme der Tropen. Ihre Üppigkeit und Fruchtbarkeit faszinierten mich, und so beschloss ich, mich in Zentralamerika niederzulassen.

Gesagt, getan: 37 Jahre ist es nun her, dass ich im Alter von 32 Jahren nach Guatemala ausgewandert bin, um im Auftrag des österreichischen Unterrichtsministeriums an der österreichischen Schule in Guatemala-City zu unterrichten.

Ich habe eine Guatemaltekin geheiratet und gehe seit meiner Pensionierung meinem großen Hobby, der Botanik, nach. Ich züchte hobbymäßig neben Kaffee auch Kakteen und Orchideen. Am Morgen weckt mich das Gekreische der grünen Papageien, die in Scharen über das Haus fliegen, und wenn die Nächte kalt sind, nehme ich ein heißes Vollbad in einer Badewanne, die ich ins Blumenbeet gesetzt habe.

Hunde-Geschichten

In der auf dem Foto abgebildeten Gartenlaube herrscht eine außergewöhnlich heimelige, von der Tageshitze abgeschirmte Atmosphäre, die auch mein Hund liebt, dem ich manchmal laut vorlese, was er besonders liebt.

Die gelbblühende Pflanze, die die Gartenlaube umrankt, ist eine Goldtrompete  (Allamanda cathartica). Außerdem wächst hier um und über die Gartenlaube eine Passionsfrucht (Maracuja), eine Zitrone mit Mandarinengeschmack, kleine Palmen (Chamaedorea tepejilote), deren männliche Blüten man essen kann, rote und gelbe Bougainvilleas, Philodendren, winzige Orchideen, Farne, Moose und Agaven.

Tierische Mitbewohner

Die Ausstrahlung dieser Pflanzen ist enorm, die Stille unbeschreiblich – abgesehen vom Summen der Bienen (ich hege ein paar Bienenstöcke und in einem Tümpel züchte ich Tilapias – afrikanische Buntbarsche), dem abendlichen Gequake von Fröschen, dem fast unhörbaren Flügelschlag der Fledermäuse, die nachts durch das Geäst des ältesten Baumes dieser Finca, einem Flaschenkürbisbaum flattern und Kaffeekirschen anknabbern, deren Süße sie besonders lieben.

Hier frühstücke ich jeden Tag mit meiner Frau Elvia, hier trinken wir auch unseren Nachmittagskaffee - es ist der schönste Platz des Universums. (Alfred Herzig, derStandard.at, 22.7.2014)

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    foto: alfred herzig
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