Politologe Iring Fetscher gestorben

20. Juli 2014, 19:50
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Langjähriger Professor an der Universität Frankfurt war ein renommierter Marxismus-Experte

Frankfurt - Der Frankfurter Politologe Iring Fetscher ist tot. Bekannt wurde der 1922 im baden-württembergischen Marbach Geborene vor allem durch seine Arbeiten zum Marxismus.

Nach seinem Wehrdienst im Zweiten Weltkrieg, den er in den 90ern in seinem Werk "Neugier und Furcht. Versuch, mein Leben zu verstehen" verarbeitete, studierte er zunächst Medizin, anschließend Philosophie, Germanistik, Romanistik und Geschichte. Nach dem Erscheinen seines Werks "Von Marx zur Sowjetideologie" und seiner Habilitation im Jahr 1959 wurde er 1963 als Professor für Politikwissenschaft und Sozialphilosophie an die Universität Frankfurt berufen.

Marxismus und Märchenwelt

Fetschers thematischer Schwerpunkt lag auf den verschiedenen Strömungen des Marxismus. Er verfasste das dreibändige Handbuch "Der Marxismus" und zusammen mit Herfried Münkler das fünfbändige "Handbuch der politischen Ideen". Sein ungewöhnlichstes Werk dürfte das 1976 erschienene "Wer hat Dornröschen wachgeküsst?" sein, eine humorvolle Analyse der Grimmschen Märchen.

Neben seiner akademischen Tätigkeit und über seine Emeritierung im Jahr 1987 hinaus war Fetscher auch stets politisch aktiv. Er war Berater der SPD-Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt und kommentierte politische Ereignisse vom RAF-Terrorismus der 70er Jahre bis zur US-Invasion in Afghanistan. Iring Fetscher starb am Samstag im Alter von 92 Jahren in Frankfurt am Main. (red, derStandard.at, 20. 7. 2014)

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