Steinzeitmenschen aßen vermeintliches Unkraut

20. Juli 2014, 18:35
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Zahnstein-Analysen zeigen regelmäßigen Konsum von Nussgras über Jahrtausende hinweg

York - Nussgras wird in Europa eher als invasives Unkraut wahrgenommen - in Asien und Afrika hingegen gilt es als Lieferant für traditionelle Medizin. Und diese Tradition reicht offenbar weit zurück, wie fast 9.000 Jahre alte Funde aus dem Sudan zeigen.

Wissenschafter um Stephen Buckley von der britischen Universität York untersuchten 14 Skelette aus einer Begräbnisstätte im heutigen Sudan, die über Jahrtausende hinweg genutzt wurde. Vor allem analysierten sie die chemische Zusammensetzung des Zahnsteins der damaligen Menschen und die winzigen Einschlüsse darin, sogenannte Mikrofossilien.

Der Belag verriet, dass die Menschen schon in der Mittelsteinzeit reichlich Pflanzenkost konsumierten - also schon bevor sie aktiv Landwirtschaft betrieben. Zum Teil aßen sie die Pflanzen roh, zum Teil kochten und rösteten sie diese aber auch, berichtet das internationale Forscherteam im Journal "PLOS ONE".

Pflanze hinterlässt Spuren

Nussgras (Cyperus rotundus) war den Analysen zufolge offenbar besonders beliebt. Spuren dieser Pflanze fanden die Forscher im Zahnschmelz der Skelette von der Mittelsteinzeit an die 6.700 Jahre vor unserer Zeitrechnung bis etwa 400 nach, als die Menschen in dieser Region schon längst Landwirtschaft betrieben. Die steinzeitlichen Menschen haben die Pflanzen aber vermutlich nicht nur gegessen, sondern auch als Rohmaterial bei der Herstellung von Gegenständen genutzt und dabei mit den Zähnen festgehalten oder bearbeitet.

Der Konsum von Nussgras könnten den Forschern zufolge auch erklären, warum die Menschen im Niltal so außergewöhnlich wenige Löcher in ihren Zähnen hatten. Nussgras hemme das Bakterium Streptococcus mutans, einen häufigen Karies-Verursacher.

Methode bewährt sich

"Diese kleinen biografischen Details ergänzen die zunehmenden Hinweise darauf, dass prähistorische Menschen schon lange vor der Entwicklung der Landwirtschaft ein detailliertes Verständnis von Pflanzen hatten", sagt die Erstautorin Karen Hardy vom Katalanischen Institut für Forschung und fortgeschrittene Studien (ICREA) in Barcelona.

"Durch die Analyse von Zahnstein verfügen wir über eine neue Möglichkeit, um herauszufinden, welche Pflanzen verzehrt wurden. Das wird die Auffassung darüber, was die prähistorischen und vorlandwirtschaftlichen Völker über die Pflanzen und deren Nutzung wussten, erweitern, wenn nicht revolutionieren." (APA/red, derStandard.at, 20. 7. 2014)

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