Andreas Biermann, 1980-2014

20. Juli 2014, 18:26
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Deutscher Ex-Fußballprofi litt an Depressionen

Berlin - Der Suizid von Deutschlands Teamtorhüter Robert Enke im November 2009 war ein Weckruf für Andreas Biermann. Enke hatte an Depressionen gelitten. Biermann litt an Depressionen. Dass er krank war, wurde dem ehemaligen Fußballprofi aber erst durch Enkes Fall klar. Biermann ging an die Öffentlichkeit, redete in Talkshows, ließ sich stationär behandeln und wollte die Krankheit Depression enttabuisieren. "Leider wird sie immer noch als Schwäche ausgelegt", sagte Biermann einmal. "Ich fand es wichtig, die Erfahrungen, die man während der Therapie sammelt, zu teilen. Um damit auch Ängste zu nehmen und dazu beizutragen, dass man in Zukunft offen darüber reden kann."

Jetzt hat sich Biermann das Leben genommen. Er wurde 33 Jahre alt, hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Er spielte zuletzt in der Seniorenmannschaft des Berliner Landesligisten Spandauer Kickers, nicht mehr als Profi. Für St. Pauli bestritt Biermann zwischen 2008 und 2010 zehn Zweitliga-Partien. Seit 2004 litt er an Depressionen. 2011 schrieb er seine Autobiografie mit dem Titel Rote Karte Depression. Er ging auf Lesetour, fing an, Psychologie zu studieren. Sogar seine Handynummer stellte er ins Internet, damit sich Betroffene bei ihm melden könnten.

Den Schritt, seine Krankheit öffentlich zu machen, bereute Biermann später. "Menschlich war es der einzig richtige Schritt - das sehe ich auch heute noch so. Beruflich hingegen bereue ich mein Bekenntnis", sagte er 2011: "Ich habe dadurch meinen Job verloren. Für meine Familie war das dramatisch. Die Verantwortlichen in den Vereinen haben mir zunächst viele Versprechungen gemacht, die sie später nicht eingehalten haben."

Im Februar 2012 schrieb Biermann auf seiner Facebook-Seite, dass er zum dritten Mal versucht habe, sich das Leben zu nehmen. "Egal ob privat oder beruflich, momentan könnt's nicht schlechter laufen", schrieb er und flehte um Hilfe: "Hat jemand eine Idee für mich, mir fällt leider nichts mehr ein. Den Suizidgedanken habe ich nach wie vor, ich fühle mich sehr schlecht." (sid, red - DER STANDARD, 21.7. 2014)

Link: derStandard.at-Rezension aus dem Jahr 2011: "Andreas Bierman - Rote Karte Depression"

  • Andreas  Biermann wurde nur  33 Jahre alt. Vor Jahren hat er noch ein Buch geschrieben: "Rote Karte Depression". Wir haben es rezensiert. 
    foto: apa/epa/warmuth

    Andreas Biermann wurde nur 33 Jahre alt. Vor Jahren hat er noch ein Buch geschrieben: "Rote Karte Depression". Wir haben es rezensiert. 

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