Eskalation der Lage im Irak: Vertreibung der Christen

Kommentar20. Juli 2014, 18:24
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Islamischer Staat in Mossul

In Mossul, dessen Identität jahrhundertelang von einer starken Präsenz vieler unterschiedlicher Religionsgruppen und der größten christlichen Gemeinde im Irak geprägt war, gibt es seit diesem Wochenende keine Christen mehr. Hatten viele von ihnen seit dem Einmarsch der Jihadisten des "Islamischen Staats" (IS) noch in Furcht ausgeharrt, so wurden sie nun von der IS vor die "Wahl" gestellt: Konversion zum Islam, Schutzsteuer und andere Repressalien oder Tod.

Die Eskalation der Lage hat nicht nur mit der mörderischen Ideologie der IS zu tun. In Mossul, einer Stadt mit einer starken nationalistischen Komponente - immer überkonfessionell -, ist die IS mit einer starken Konkurrenz konfrontiert. Ohne starke baathistische Verbündete hätte sie Mossul gar nicht erobern können. Über das Verhältnis zwischen IS und Baathisten gibt es nun widersprüchliche Berichte: Einerseits heißt es, dass die IS Baath-Leute aus Verwaltungspositionen in der Stadt bereits wieder entfernt - teilweise getötet - hat, andererseits, dass die Baathisten einen Teil Mossuls kontrollieren.

Sicher ist, dass die IS jetzt in "ihrem" Gebiet das macht, was in ihrem Handbuch steht. Sie nimmt keine Rücksicht mehr auf Verbündete, die ihre Ideologie nicht teilen. Die Christen bekommen ein Ultimatum - Schiiten und andere kleine religiöse Gruppen wie die Jesiden und die Shabak nicht einmal das. Sie werden gleich umgebracht. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 21.7.2014)

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