Das Sprungbrett für die Überqualifizierten

20. Juli 2014, 17:33
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Salzburg dürfte stärker, Rapid schwächer geworden sein. Die Titelverteidigung steht außer Frage, die Liga dient als Vorbereitung auf die Champions League

Salzburg - Red Bull Salzburg ist eindeutig zu gut für die österreichische Bundesliga, die jetzt tipico statt tipp3 heißt. Deshalb machte Oliver Kahn den Ehrenankick, er tat es fehlerfrei. Die Spieler sind überqualifiziert, sämtliche Befürchtungen wurden zum Saisonauftakt übertroffen. Alles wie gehabt, die Überlegenheit scheint deutlicher geworden zu sein. Ein 6:1 gegen Rapid, immerhin Vizemeister, ist kein Finger-, sondern ein Handzeig. Jonatan Soriano dürfte erneut Schützenkönig werden, er traf zweimal, wobei der Spanier darauf Wert legte, "dass nur die Mannschaft wichtig ist".

Die Offensivabteilung, bestehend aus Kevin Kampl, Mane, Alan und Soriano, war am Samstagnachmittag in der Salzburger Hitze gnadenlos. Kampl ließ sich übrigens nicht zur Titelverteidigung gratulieren, er wies darauf hin, "dass 35 Spiele zu spielen sind". Der Start habe jedenfalls "Riesenspaß" gemacht, er betrachte die Liga nicht als Unterforderung. Sie solle und könne das Sprungbrett in die Champions League sein. "Es geht um die vier Quali-Partien. Schaffen wir die, können wir in der Gruppenphase auch den Besten Paroli bieten."

Bullen-Klasse: Fluch oder Segen?

Den Trainern, also Adi Hütter und Zoran Barisic, wurde die Frage gestellt, ob diese Dominanz Fluch oder Segen sei. So richtig festgelegt haben sich die beiden nicht. Der Rapidler Barisic sagte: "Man kann von ihnen lernen, aber sie haben halt extreme Möglichkeiten." Debütant Hütter: "Ich weiß, dass ich tolle Fußballer zur Verfügung habe. Es geht darum, dass sie auch als Team toll sind. Sie haben mich überzeugt. Danke für die Leistung." Abgesehen davon verdiene jeder Gegner Respekt. "Wir müssen den Ball flachhalten, es gibt Dinge, die zu verbessern sind. Gegen Rapid haben wir zu viele Chancen zugelassen."

Kampl sieht in Hütter den "geeigneten Nachfolger von Roger Schmidt. Er setzt auf Disziplin, man kann mit ihm auch lachen. Es macht Spaß und Freude, hier zu sein." Für Linksverteidiger Andras Ulmer, der das erste Tor dieser Saison erzielt hat ("Ich hätte nicht auf mich getippt"), kommt die Steigerung nicht überraschend. "Wir sind eingespielt, die Weiterentwicklung ist logisch." Um der Konkurrenz den Rest zu geben, sie zum Weinen zu bringen, sei erwähnt, dass auf der Salzburger Bank Massimo Bruno saß. Der Belgier gilt als Riesentalent und soll acht Millionen Euro gekostet haben. Bruno muss sich vorerst hinten anstellen.

Geschwächter Rapid-Kader

Bei Rapid ist das Gedränge überschaubar, es herrscht Personalmangel. Die Verluste von Guido Burgstaller, Christopher Trimmel, Terrence Boyd und Marcel Sabitzer haben Lücken hinterlassen. Maximilian Hofmann, ein gelernter Innenverteidiger, musste rechts in der Viererkette arbeiten, der 20-Jährige wurde von Mane nahezu minütlich übertölpelt. Barisic nahm die Schuld auf sich. "Nach dem 3:0 ist Salzburg in einen Spielrausch verfallen." Der andere Hofmann, Kapitän Steffen, konnte als Einziger halbwegs mithalten, er verkürzte in der 92. Minute auf 1:6. Worauf die Rapid-Fans "Ausgleich, Ausgleich" skandierten. Weniger witzig klangen die Schmähgesänge gegen Sabitzer. Gänzlich unlustig waren jene fünf alkoholisierten Fans, die auf der Heimfahrt im Zug amerikanische Schülerinnen belästigt haben. Sie wurde festgenommen.

Steffen Hofmann tröstete sich damit, "dass wir besser sind, als das Ergebnis zeigt. Wir müssen rasch in die Spur finden." Für Durchhalteparolen sei es viel zu früh. "Salzburg wird Meister." (Christian Hackl, DER STANDARD, 21.7.2014)

  • Kevin Kampl machte nach seinem Tor auf Balotelli.
    foto: apa/krug

    Kevin Kampl machte nach seinem Tor auf Balotelli.

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