Der lange Schatten der Espírito Santo

20. Juli 2014, 17:08
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Je länger Portugals Krisenbank BES in der Abwärtsspirale steckt, desto größer die Kollateralschäden für Portugal Unternehmen

Mitgehangen, mitgefangen. Während Portugals Justiz bei der maroden portugiesischen Banco Espírito Santo (BES; dt. "Heiliger Geist") und deren Mutter Espírito Santo Financial Group (ESFG) ermittelt, offenbaren sich weitläufige Kollateralschäden.

Die ESFG ist nicht einzig in die verstaatlichte CGD (Caixa Geral de Depósitos) verstrickt, der man über 15 Prozent der BES-Anteile als Kreditgarantien überantwortete. Es geht um etwa 300 Mio. Euro. Um selbige Summe bangt man bei der Banco Comercial Português (BCP). Und von der ältesten Genossenschaftsbank Portugals, Montepio Geral (gegr. 1840), hält das BES-Geflecht knapp 200 Mio. Euro an Verbindlichkeiten. Den bisher größten Ausfall hat die ESFG-Investmenttochter RioForte mit Sitz in Luxemburg zu verantworten. Zuletzt blieben 847 Mio. Euro an Verbindlichkeiten für Portugal Telecom (PT) unbedient. Was des Telekomriesen Aktienkurse in der Fusionsphase mit Brasiliens Mobilfunker Oi absacken ließ. PT reichte Investorenklage gegen RioForte ein.

ESFG hält ein Fünftel der BES-Aktien, die zuletzt ihr Zweijahrestief (0,42 Euro) markierten - Chefwechsel und Liquiditätsbekundungen von BES-Führung, Nationalbank und Regierung zum Trotz. Vergangene Woche forderte die Bankiersfamilie der Espírito Santos, deren letzter Bankdirektor Ricardo Espírito Santo Silva Salgado zur Übergabe der Zügel an Vítor Bento gezwungen wurde, "Schutz vor Gläubigern". Wie Moody's kürzte Standard & Poor's das Kreditrating von ESFG und BES drastisch. Staatshilfe könnte nötig sein, während die Tochter Espírito Santo International (ESI) einen Antrag zur geordneten Insolvenz stellte.

Nicht unbedeutender Nebenschauplatz: José Eduardo dos Santos, Angolas vermögender Langzeitpräsident, garantierte "aus eigener Hand" zumindest den Schutz der BES-Tochter (BESA) in Portugals rohstoffreicher Ex-Kolonie, mit 4,2 Mrd. Euro, berichtet Expresso unter Berufung auf ein Abkommen vom 31. 12. 2013.

Premier Pedro Passos Coelho will dezitiert "keine Staatsgelder aufwenden". Die Alternative, die Nationalbankchef Carlos Costa im parlamentarischen U-Ausschuss zeigte: fünf Interessenten für einen Einstieg in die BES, darunter spanische und brasilianische Investmentfonds und Banken. Diario Económico nannte die Geierfonds Apollo und KKR, die spanische Wirtschaftszeitung El Economista die Banco Santander.

Dabei hat der spanische Nachbar selbst Altlasten der Finanzkrise. Die verstaatlichte CatalunyaBanc (mit in Summe 13 Mrd. Euro gestützt) braucht laut El Mundo weitere Staatshilfen, "um den anberaumten Verkauf zu ermöglichen". 572 Mio. Euro vom Bankenrettungsfonds FROB für faule Hypothekenkredite. Schlimmstenfalls würden weitere 300 Mio. Euro fällig werden. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 21.7.2014)

  • Die Kunst, eine Bank in Schieflage wieder auf die gerade Bahn zu bringen, ist bei der portugiesischen Bank gefragt
    foto: reuters/rafael marchante

    Die Kunst, eine Bank in Schieflage wieder auf die gerade Bahn zu bringen, ist bei der portugiesischen Bank gefragt

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