Tausende in Wien und Bregenz bei Demos gegen Israels Militäreinsatz

20. Juli 2014, 19:48
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Polizei: 11.000 Teilnehmer in Wien - Festnahmen in Bregenz

Wien/Bregenz - Bei nicht nur sprichwörtlich aufgeheizter Stimmung wurde am Sonntag in Wien und Bregenz gegen die Operation Israels im Gazastreifen demonstriert.

Einigen der muslimischen Teilnehmern in der Hauptstadt machte die Hitze aufgrund des Fastenmonats Ramadan besonders zu schaffen. Sie mussten nach Kreislaufzusammenbrüchen versorgt werden. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Vereinigung europäisch-türkischer Demokraten Austria (UETD), die im Juni den türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan nach Wien eingeladen hatte.

Laut Polizei nahmen rund 11.000 Personen an der Demo teil, die Veranstalter sprachen gar von 30.000 Teilnehmern. Hunderte Polizisten waren im Einsatz. Unter den Kundgebungsteilnehmern waren viele Kinder und Jugendliche. Einige waren mit Bandagen und Kunstblut "verkleidet" und sollen die getöteten Kinder aus dem Gazastreifen symbolisieren.

Die Veranstalter betonten am Beginn und am Ende der Kundgebung per Megafon, dass sie Antisemitismusvorwürfe zurückweisen. Sie hätten nichts gegen Juden und wollten mit der Demonstrationen ein Zeichen für den Frieden setzen.

Türkei- und Hamas-Fahnen

Neben palästinensischen waren viele türkische Fahnen im Demonstrationszug zu sehen. Auch Fahnen der Terrororganisation Hamas sowie eine Jihad-Fahne waren darunter. Im Gespräch mit dem STANDARD distanzierte sich UETD-Präsident Abdurrahaman Karayazili von diesen Teilnehmern. Im Rahmen der Megafondurchsagen wurde dies nicht getan.

Polizeisprecher Paul Eidenberger gab an, dass das Videomaterial der Demonstrationen ausgewertet werde und Anzeigen geprüft würden, ad hoc sei man allerdings nicht gegen Fahnenträger eingeschritten. Hingegen wurde eine Frau mit proisraelischen Aufschriften, die sich unter die Demonstranten gemischt hatte, mehrmals von der Polizei abgemahnt und anschließend vorübergehend festgenommen.

Mit Rufen wie "Kindermörder Israel", "Terrorist Israel" und "Lasst Gaza leben, lasst Gaza frei" bewegten sich die Demonstranten vom Westbahnhof über die Kaiserstraße und Burggasse in Richtung Heldenplatz.

Friedenstauben freigelassen

Auf der Höhe der Neubaugasse im 7. Wiener Gemeindebezirk gab es seitens der Demonstranten Pfiffe für einen Anrainer, der eine US-Flagge aus dem Fenster gehängt hatte. Eine Demonstrantin schrie: "Komm runter, du Arschloch!"

Bei der Abschlusskundgebung am Heldenplatz wurde hitzig diskutiert. Ein Demonstrant mit der T-Shirt-Aufschrift "Free Gaza from Hamas" wurde von Securities wegbegleitet, nachdem andere Anwesende ihn gefragt hatten, ob er Jude sei, und ihm Propaganda vorgeworfen hatten. Von einer kleinen Gruppe wurde anschließend "Neue Nazis Israel" und "Tod dem faschistischen Zionismus" skandiert.

UETD-Präsident Karayazili lobte die Demonstranten am Ende der Veranstaltung. Sie hätten gezeigt, dass man trotz vieler Provokationen und Medienberichte friedlich demonstriere. Kritik wurde hingegen an sämtlichen politischen Institutionen und Vertretern geübt. Von der UNO bis hin zum österreichischen Bundespräsidenten und Außenminister hätten alle Schuld auf sich geladen. Abschließend wurden zwei Friedenstauben freigelassen.

Festnahmen in Bregenz

Auch in Bregenz demonstrierten am Sonntagnachmittag zwischen 1000 und 1500 vorwiegend junge Muslime gegen Israel. Unter dem Motto "Free Gaza" wurde höchst emotional protestiert. "Israel Kindermörder" wurde auch dort immer wieder skandiert. Gleich zu Beginn geriet die Demo außer Kontrolle. Provoziert durch ein proisraelisches Transparent, stürzten sich Demoteilnehmer auf die Bahngleise. Es kam zu Festnahmen und Anzeigen wegen Verhetzung. Die Demonstration war von zwei Jugendlichen angemeldet worden. Den Behörden bekannte muslimische Vereine waren an der Organisation nicht beteiligt.

Auch in anderen europäischen Städten wurde am Wochenende gegen Israels Politik demonstriert. In Frankreich kam es, wie berichtet, zu Ausschreitungen. (Teresa Eder, Jutta Berger, derStandard.at, 20.7.2014)

  • Rund 11.000 Menschen gingen am Sonntag bei brütender Hitze in Wien auf die Straße
    foto: christian fischer

    Rund 11.000 Menschen gingen am Sonntag bei brütender Hitze in Wien auf die Straße

  • Abschlusskundgebung am Heldenplatz.
    foto: standard/fischer

    Abschlusskundgebung am Heldenplatz.

  • Nicht nur antiisraelische Slogans, sondern auch antisemitische Plakate waren zu sehen.
    foto: apa/epa/oczeret

    Nicht nur antiisraelische Slogans, sondern auch antisemitische Plakate waren zu sehen.

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    foto: christian fischer
  • In Bregenz war der Andrang nicht ganz so groß, dafür kam es zu einigen Festnahmen
    foto: berger

    In Bregenz war der Andrang nicht ganz so groß, dafür kam es zu einigen Festnahmen

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    foto: standard/fischer
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