Die Rache der Ex-Dame

Kolumne20. Juli 2014, 17:00
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Über Binnen-Kinder, Ex-Herren und Fußball

Es ist ohnehin schon vorbei und unser Nachbar eine kleine Weile schon Weltmeister. Doch weil wir hierzulande gerade und heftig über das Binnen-I diskutieren, ist auch das zu bezweifeln und Deutschland vielleicht doch eine NachbarIn und somit WeltmeisterIn.

Aber lassen wir das, denn mich beschäftigt viel mehr, was Marlene Streeruwitz neulich so treffsicher über Männer und Frauen und Damen und Herren im STANDARD zu sagen wusste und dass die sprachliche Geschlechtergerechtigkeit eigentlich erst wiederhergestellt ist, wenn es mit der heilen Familie vorbei ist.

Denn während wir uns im Deutschen immerzu mit Herr (und nicht Mann) und Frau (und nicht Dame) anreden, sind geschiedene Leute dann immerhin doch Ex-Männer und Ex-Frauen. Das ist gut, schön und gerecht, würden dazwischen nicht die Binnen-Kinder stecken, die auch stets und gestresst um eine Art Geschlechtergerechtigkeit bemüht sind, nämlich die zwischen den (nicht Ex-, sondern Immer-noch-)Eltern.

Wir sind Weltmeisterin!

Als neulich ein Freund des Ex-Mannes die starke Schland-Affinität des Binnen-Kindes und dessen obendrein erwachte Sympathie für Bayern München als perfekte Rache der Ex-Frau (am Ex-Mann) bezeichnete, musste das Teenager-Kind das ganz entschieden abwehren.

Denn während der Ex-Herr Fußball vom Zuschauen natürlich aus dem Effeff beherrscht, aber Deutschland, sagen wir es vorsichtig, nicht unbedingt seine Lieblings-Nationalmannschaft ist, muss sich die Ex-Dame bei jedem WM-Spiel die Abseitsregel von neuem erklären lassen und findet Fußball ungefähr so spannend, wie es die Amerikaner finden. Genau. Fußball wäre also eindeutig Papa-Sache.

Aber, sagt das Kind, wie immer um nicht nur sportlichen Ausgleich bemüht, ich werde mir meine Fußballvorlieben noch selbst aussuchen können und dürfen. Sehr richtig. Außerdem ist sie eine Berlinerin (ganz ohne Binnen-I) und muss damit nicht einmal John F. Kennedy zitieren. Und: Die junge Frau spielt überdies Damenfußball. So gesehen und alles das zusammen sind wir dann schon ein bisschen Weltmeisterin. (Mia Eidlhuber, derStandard.at, 20.07.2014)

  • Das Binnen-Kind will sich ihre Fußball-Vorlieben selbst aussuchen.
    foto: dpa

    Das Binnen-Kind will sich ihre Fußball-Vorlieben selbst aussuchen.

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