US-Schauspieler James Garner gestorben

20. Juli 2014, 12:27
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Hollywood-Star wurde 86 Jahre alt - Er war berühmt für seine Rollen als "Maverick" und "Detektiv Rockford"

Los Angeles - Jeder Westerndarsteller steht einmal vor der Frage, ob er den Hut eher in den Nacken schieben oder die Krempe tief in die Stirn ziehen soll. James Garner antwortete auf sie mit einem entschlossenen Sowohl-als-auch. Die erste Variante lag ihm mehr, denn sie signalisiert Leichtsinn und gelassene Unternehmungslust. In dem Zyklus von Westernkomödien, den er 1968 mit Support Your Local Sheriff begann, kam sie zuverlässig zum Einsatz. Als Wyatt Earp, der in Hour of the Gun im gleichen Jahr eine Familienfehde im Schutz des Marshal-Sterns ausfocht, perfektionierte er den zweiten Modus. Unter der Hutkrempe stechen da zwei bekümmerte, hasserfüllte Augen hervor.

Garners Filmkarriere weist eine staunenswerte Symmetrie auf. Fast alle klassischen Heldenfiguren Hollywoods variierte er im dramatischen wie im komödiantischen Register. Sein persönlicher Favorit unter den mehr als 50 Kinofilmen war die Antikriegssatire The Americanization of Emily (1964), in der er seine Figur großartig in der Schwebe hält: Er zeichnet sie einerseits als Drückeberger, den ein schwarzhumoriges Schicksal auf die Invasionsstrände in der Normandie verschlägt, und zugleich als integren Pazifisten. Garners geschmeidige Wandlungsfähigkeit beruhte auf Lebenserfahrung und Beobachtungsgabe. Der 1928 in Oklahoma geborene Korea-Veteran wusste genau, wie einem Soldaten an der Front zumute ist.

Legendäre Blessuren

Seine Begeisterung für Autorennen konnte er in Grand Prix auf der Leinwand ausleben. Die Blessuren und Knochenbrüche, die er sich bei den Stunts zuzog, waren in Hollywood legendär. Im Privatleben war er ein ausdauernder Ehemann und überzeugter Demokrat. Das Geschick, mit dem er in Öl und Immobilien investierte, machte ihn zu einem der reichsten Männer Hollywoods.

Seine Glanzstunden hatte er im Fernsehen, wo er in zwei Serien Helden von liebenswürdig flexibler Moral verkörperte. Ende der 1950er-Jahre gelang ihm die Rehabilitation einer im Westerngenre ansonsten übel beleumundeten Figur: Sein Glücksspieler Bret Maverick stand in jeder Folge vor einem ethischen Dilemma. Dem chronisch klammen Privatdetektiv Jim Rockford verlieh er ab 1974 eine ebenso schalkhafte Würde. Mit Nonchalance operierte er in den Grauzonen der Legalität und wurde doch oft genug von seinen Klienten übers Ohr gehauen.

Sein Stil war unaufdringlich und deshalb leicht zu unterschätzen. In den Augen der Branche und des Publikums war Garner eine so selbstverständliche Größe, dass er nur eine einzige Oscarnominierung (1985 für Murphy's Romance) erhielt. Da er stets präsent war, scheuten die Fernsehzuschauer allzu oft die Mühe, ihn im Kino zu sehen. Dabei entging ihnen etwa seine komödiantische Glanznummer als Gangsterboss in Victor/Victoria. Als aus dem Ruhestand zurückbeorderter Astronaut in Clint Eastwoods Space Cowboys zeigte er, was für ein geselliger Schauspieler er sein konnte. (Gerhard Midding, DER STANDARD, 20.7.2014)

  • James Garner im Jahr 2005.
    foto: ap/pizzello

    James Garner im Jahr 2005.

  • Garner, hier auf einem Bild aus dem Jahr 1982, ist dem Image seiner zähen Western- und Krimihelden bis ins hohe Alter treu geblieben.
    foto: ap

    Garner, hier auf einem Bild aus dem Jahr 1982, ist dem Image seiner zähen Western- und Krimihelden bis ins hohe Alter treu geblieben.

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