Horror-Heim in Mexiko: Leiterin "Mama Rosa" auf freiem Fuß

21. Juli 2014, 08:18
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Sechs Mitarbeiter der Kindereinrichtung wurden festgenommen - Vorwürfe: Sexueller Missbrauch, verdorbene Lebensmittel, Prügelstrafen

Mexiko-Stadt/Guadalajara - Die Leiterin des wegen unmenschlicher Zustände geschlossenen Kinderheims im Westen Mexikos befindet sich auf freiem Fuß. Die Polizisten seien am Sonntag vom Krankenhaus San José in Zamora abgezogen worden, in dem die etwa 80-jährige Rosa Verduzco wegen Diabetes und Bluthochdrucks behandelt wird, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Es liege derzeit kein Haftbefehl gegen sie vor, sagte ein Beamter, der nicht genannt werden wollte. Offiziell äußerte sich die Generalstaatsanwaltschaft bisher nicht. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Leiterin aufgrund ihres hohen Alters die Kontrolle über die Einrichtung entglitten war.

Sechs Mitarbeiter des Kinderheims wurden unterdessen in das Hochsicherheitsgefängnis Tepic im Bundesstaat Nayarit verlegt. Zwei zunächst festgenommene Lehrerinnen wurden freigelassen.

Sexuell missbraucht

Soldaten und Polizisten hatten am vergangenen Dienstag rund 450 Minderjährige aus der Einrichtung "La Gran Familia" (Die Große Familie) im Bundesstaat Michoacan befreit. Sie hatten dort jahrelang zwischen Bergen von Müll gelebt, waren zum Betteln gezwungen und Zeugenaussagen zufolge auch sexuell missbraucht worden.

Verduzco habe nicht direkt etwas mit dem Missbrauch zu tun gehabt, sagte ein ehemaliger Bewohner des Heims im Interview des Radiosenders Formula. "Das waren andere Mitarbeiter. Sie haben sich mit Mädchen in Zimmern eingeschlossen", sagte Miguel Angel Juarez, der sechs Jahre in der Einrichtung gelebt hatte.

Allerdings habe die Heimleiterin, die sich "Mama Rosa" oder "La Jefa" (Die Chefin) nennen ließ, den Kindern verdorbene Lebensmittel zu essen gegeben und Prügelstrafen angeordnet. Zudem habe sie den Kontakt mit den Familien unterbunden. Wollten Eltern ihre Kinder heimholen, habe Verduzco hohe Geldsummen verlangt.

Unterstützung von Prominenten

Unterdessen erhält "Mama Rosa" immer mehr Unterstützung von Prominenten. So erklärten sich die Schriftstellerin Elena Poniatowska, der Fußballer Rafael Marquez und der französische Literaturnobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clezio mit ihr solidarisch.

Obwohl bereits 2010 Vorwürfe gegen "La Gran Familia" laut geworden waren, galt Verduzco in Michoacan als angesehene Frau. Sie empfing hochrangige Politiker in der Einrichtung und wurde für ihr soziales Engagement ausgezeichnet.

Der ehemalige mexikanische Präsident Vicente Fox (2000-2006) sprach am Sonntag per Telefon mit ihr und schlug vor, dass Heim als Bildungseinrichtung wiederzueröffnen. Ihm schwebe ein Internat mit hohen Qualitätsansprüchen vor, sagte Fox nach dem Gespräch. (APA, 21.7.2014)

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