Asyl: Mikl-Leitner will Erstaufnahmezentren auflösen

19. Juli 2014, 17:09
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Innenministerin will im Herbst neues Konzept für Grundversorgung vorstellen - Verteilung auf Bundesländer soll zentral vom Bund gesteuert werden

Wien - Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) plant grundlegende Reformen im Asylwesen. Konkret will sie die Erstaufnahmezentren in Traiskirchen und Thalham auflösen, Asyl-Anträge sollen in allen Bundesländern mittels "erster Schnellprüfung" eingeordnet werden, teilte das Ministerium der APA mit. Der Bund soll die Aufteilung zentral steuern. Das Konzept will sie den Ländern im September präsentieren.

Ein Antragsteller soll "in jedem Bundesland erstversorgt werden können und nicht ungeprüft in die derzeit chronisch überfüllten Aufnahmezentren überstellt werden, wie bisher", so die Ministerin. Zuständig für die Erstprüfung werde die jeweilige Regionaldirektion des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl sein. Bei einer "positiven Prüfung", also wenn Österreich für das Verfahren zuständig ist, könne der Asylwerber dann gleich im jeweiligen Bundesland bleiben und dort versorgt werden. Ihm und den Behörden bliebe damit "der unnötige Transfer nach Traiskirchen oder Thalham und wieder zurück erspart".

Standorte bleiben für Fälle mit fraglicher Einstufung

Die beiden Standorte sollen aber erhalten bleiben, und zwar für jene Fälle, "in denen die Erstprüfung nicht unmittelbar die Zuständigkeit Österreichs ergibt", deren Verfahren also gemäß Dublin-Abkommen in einem anderen EU-Land durchgeführt werden müsste, so Mikl-Leitner weiter. Für Traiskirchen würde dies ihren Angaben zufolge derzeit rund 300 Insassen bedeuten.

Am derzeit drängenden Problem der Unterbringung der Asylwerber würde dies allein freilich noch nicht wirklich etwas ändern. Die Innenministerin will daher gemeinsam mit Ländern und Gemeinden ein "bundesweites stabiles Versorgungsnetz an Unterbringungen" ausarbeiten. Darunter versteht man im Ministerium "fixe Quartiere" und ein "fixes, automatisches System der Verteilung", wurde auf Nachfrage präzisiert. Und der Bund soll diese Verteilung "bei einem Ungleichgewicht der Quotenerfüllung zwischen den Bundesländern" steuern.

Ausarbeitung über Sommer

Die Verteilung funktioniert derzeit nicht wie vom Innenministerium gewünscht, erfüllen doch mehrere Länder die vereinbarten Unterbringungsquoten nicht. Dass die Länder eine Verteilung durch den Bund ablehnen, glaubt man im Innenressort nicht, schließlich gehe es darum, sich gemeinsam, aber verbindlich auf das Quartiersystem zu einigen.

Einen groben Zeitplan für die Reform skizzierte Mikl-Leitner bereits: Über den Sommer soll das Konzept ausgearbeitet werden, im September vorgelegt und dann mit Ländern und anderen "wesentlichen Stakeholdern" diskutiert. "Nächsten Sommer schon" könnte das neue System laufen. Aktuell arbeite das Innenministerium überdies "mit Hochdruck" an der Schaffung von Privatunterkünften "für den inzwischen sehr wahrscheinlichen Fall, dass die Bundesländer auch bin Ende Juli nicht aus eigener Kraft eine deutliche Entlastung Traiskirchens herbeiführen können". (APA, 19.7.2014)

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