Ex-Nokia-Chef Elop: IT-Manager mit Qualitäten beim Bodycheck

18. Juli 2014, 17:49
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Der Microsoft-Manager zeigt, wie man es nicht machen sollte

Von Stephen Elop kann man lernen, wie man es nicht macht. Knapp ein Jahr nach der Übernahme der Handy-Sparte von Nokia durch Microsoft verkündete der Microsoft-Manager und ehemalige Nokia-Chef einen weiteren harten Schnitt. Etwa jeder zweite der 25.000 Ex-Nokianer, der zu dem Softwareriesen gewechselt war, verliert in den kommenden Monaten seinen Job bei Microsoft. Dies gab Elop in einer 1100 Wörter langen E-Mail bekannt, die salopp mit "Hello there" beginnt.

Danach lobt er Microsoft über die Maßen und handelt die Kündigungswelle nebenbei in nur zwei Sätzen ab, um gleich danach wieder von den eigenen "Kulttablets" zu schwärmen. Dieser Umgang mit Mitarbeitern hat Elop bei Gewerkschaftern und ehemaligen Nokia-Angestellten den Titel "schlechtester Chef in der Geschichte der Menschheit" eingebracht. Seit seiner Kür zum Nokia-Chef im Herbst 2010 wurden mehr als 50.000 Arbeitsplätze bei dem einst traditionsreichen finnischen Unternehmen gestrichen.

Jobhopper

Den Großteil seines Berufslebens verbrachte der 50-jährige Kanadier in der Software-Branche. Mitte der 1990er-Jahre heuerte er beim Webdesign-Spezialisten Macromedia an und arbeitete sich bis zum Firmenchef hoch. Insgesamt acht Jahre hielt er es im Unternehmen aus. Danach wechselte er alle ein, zwei Jahre seinen Job - ein Tempo, das zu seinem Hobby passt, dem Eishockey.

Bevor er an die Spitze von Nokia gerufen wurde, hatte der fünffache Vater in fünf Jahren fünf Arbeitgeber. Vor diesem Engagement leitete er die Office-Sparte von Microsoft. Eben diese Vorgeschichte hatte schon im Jahr 2010 zu Spekulationen geführt, ob er nicht von Microsoft als eine Art Trojaner innerhalb von Nokia platziert wurde. Er selbst wies das vehement zurück.

Mit dem Verkauf von Nokia an Microsoft verdiente der Hobbypilot 19 Millionen Euro. Unter Elops Ägide wurde der Wechsel von Nokias eigenem Betriebssystem auf Microsofts Windows Phone beschlossen. Bis heute sind viele Marktbeobachter überzeugt, dass ein Wechsel zu Googles Android für Nokia besser gewesen wäre.

Verkauft an Microsoft

Die Konsequenz dieser Wahl ist bekannt: Der ersehnte Erfolg blieb weitgehend aus, Marktanteile und Geschäftszahlen stürzten ins Bodenlose, bis Nokia so marod war, dass die Übernahme durch Microsoft (zum "Schnäppchenpreis" von 5,44 Milliarden Euro) letztendlich unausweichlich wurde. (Markus Sulzbacher, DER STANDARD, 18.7. 2014)

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