Berlusconi im Ruby-Prozess freigesprochen

18. Juli 2014, 17:10
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Berufungsgericht: Ex-Premier nicht für Amtsmissbrauch und Sex mit Minderjähriger verantwortlich

Mailand - Der frühere italienische Regierungschef Silvio Berlusconi ist am Freitag im sogenannten Ruby-Prozess von einem Berufungsgericht in Mailand freigesprochen worden. Damit wurde das erstinstanzliche Urteil gekippt, mit dem Berlusconi vor einem Jahr wegen der Prostitution von Minderjährigen und Amtsmissbrauchs noch zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war.

Nach vierstündigen Beratungen urteilte das Mailänder Berufungsgericht, dass Berlusconi während seiner Amtszeit als Premier 2010 nicht seinen Einfluss auf die Polizei genutzt habe, um die Freilassung der wegen Diebstahls festgenommenen minderjährigen Nachtklubtänzerin Karima El Marough alias "Ruby Herzensbrecherin" aus dem Polizeigewahrsam zu erwirken. In Bezug auf den Vorwurf der Prostitution liege keine strafbare Handlung vor, urteilten die Richter. Berlusconi war vorgeworfen worden, für Sex mit Ruby gezahlt zu haben, als diese noch unter 18 war.

Die Mailänder Staatsanwälte, die 2010 die Ermittlungen gegen Berlusconi im Fall Ruby aufgenommen hatten, können jetzt beim Kassationsgericht in Rom, der dritten und letzten Instanz im italienischen Strafsystem, Berufung gegen den Freispruch einreichen. Mit einem letztinstanzlichen Urteil wäre dann voraussichtlich im kommenden Jahr zu rechnen.

Während das Urteil gefällt wurde, befand sich Berlusconi im Pensionistenheim in Cesano Boscone bei Mailand, wo er seit zwei Monaten Sozialdienst leistet. Das erspart ihm die Verbüßung einer vierjährigen Haft wegen Steuerbetrugs. Im Heim pflegt der TV-Unternehmer alte Menschen, die an Demenz leiden. Berlusconi verließ das Seniorenheim, ohne seinen Freispruch gegenüber den auf ihn wartenden Journalisten zu kommentieren.

Lob und Kritik

"Dieser Freispruch hat meine rosigsten Erwartungen übertroffen", meinte hingegen sein Verteidiger Franco Coppi. Der Freispruch sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass Berlusconi das wahre Alter der minderjährigen Marokkanerin Ruby nicht kannte, die in seiner Luxusresidenz in Arcore verkehrte. Und aus Berlusconis konservativer Oppositionspartei Forza Italia hieß es: "Endlich die Wahrheit. Schade, dass all die Lügen um Berlusconi die politische Geschichte unseres Landes verändert haben."

Kritisch zeigten sich politische Rivalen. Eine schlimmere Niederlage als die der Brasilianer gegen Deutschland bei der WM, kommentierte ein Parlamentarier der Fünf-Sterne-Bewegung. (DER STANDARD, 19.7.2014)

  • Karima "Ruby" El Marough bei der Gerichtsverhandlung im Vorjahr.
    foto: reuters/alessandro garofalo

    Karima "Ruby" El Marough bei der Gerichtsverhandlung im Vorjahr.

  • Das Berufungsgericht sieht keine Schuld bei Silvio Berlusconi.
    foto: ap/medichini

    Das Berufungsgericht sieht keine Schuld bei Silvio Berlusconi.

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