Dividenden vorm Auslandsfiskus retten

24. Juli 2014, 05:30
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Besitzer ausländischer Aktien kennen das Lied: Von erklecklichen Ausschüttungen landet ein Eckhaus weniger auf dem Konto

Wien - Sogar wenn man die österreichische Kapitalertragssteuer (KESt) schon in Betracht gezogen hat, bleibt manchmal das Gesicht lang und der Mund offen über die Abzüge in erklecklicher Höhe. Der Grund für die Misere: Auch der ausländische Fiskus will seinen Teil vom Kuchen. Und dieser Schnitt kann überaus schmerzhaft sein. Deutschland holt sich zum Beispiel mehr als 26 Prozent Quellensteuer, Finnland 28, Frankreich und Schweden 30, und die Schweiz schlägt alle mit satten 35 Prozent. Dazu kommen zehn Prozent heimischer KESt auf ausländische Dividenden, die sich der Fiskus abschneidet.

Doch das muss man nicht so einfach hinnehmen; denn seit 2004 sind österreichische Privatanleger durch einen zusätzlichen KESt-Abzug bei den ausländischen Dividendenerträgen endbesteuert. Um eine Mehrfachbesteuerung zu vermeiden, wurden zwischen einzelnen Staaten sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen.

Differenz zurückholen

Und das geht so: Soweit die im Ausland einbehaltene Quellensteuer höher ist als die laut dem jeweiligen DBA anrechenbare Steuer, kann eine Rückerstattung im Quellenstaat beantragt werden. "Der Quellenstaat darf maximal 15 Prozent (Ausnahme zum Beispeil Finnland mit zehn Prozent, Anm.) der Bruttodividende einbehalten, wenn die Ausschüttung an eine in Österreich steuerlich ansässige Privatperson geht", erläutert Birgit Schwertner-Awais von Deloitte Tax. "Österreich rechnet diese 15 Prozent bei Abzug der Kapitalertragsteuer automatisch an und hebt daher nur noch zehn Prozent zusätzlich ein". Aus Sicht der österreichischen Finanzbehörde ist damit die ausländische Dividende, gleich wie eine inländische, mit 25 Prozent besteuert.

Im Fall einer Dividendenbesteuerung einer deutschen Aktie sieht die Rechnung dann so aus: Die KESt in Österreich beträgt 25 Prozent, die Quellensteuer in Deutschland 26,375 Prozent vom Bruttoertrag. Anleger können sich die Differenz, also 11,375 Prozent vom deutschen Fiskus zurückholen. Damit ist die Gesamtsteuerbelastung von 25 Prozent gleich hoch wie bei inländischen Dividenden, und eine Schlechterstellung des österreichischen Steuerzahlers wurde vermieden.

Der dichte Fristendschungel

Wie kommt man nun aber zu seinem Geld? Auf der Homepage des Bundesministeriums für Finanzen findet man die Formulare der jeweiligen Länder für die Rückforderung von Quellensteuern. Dort sind alle Länder von Albanien bis Zypern aufgelistet, mit denen Österreich Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat. Über diesen Link kommt man zum Beispiel auch zum Formular "Antrag auf Quellensteuerrückerstattung" bei der deutschen Finanz. Das Formular ausdrucken, sorgfältig ausfüllen (dauert zum Beispiel für drei Aktien keine 20 Minuten), sich dann vom österreichischen Finanzamt bestätigen lassen, dass man tatsächlich existiert (Pass mitnehmen oder via Handysignatur, so vorhanden) und an die zuständige Behörde in Bonn schicken.

Vorsicht heißt es bei den Fristen: Der Antrag für Deutschland etwa muss innerhalb von vier Jahren ab Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Kapitalerträge zugeflossen sind, eingereicht werden.

Doch die Fristen sind nicht einheitlich. In Frankreich zum Beispiel endet sie spätestens am 31. Dezember jenes Jahres, das auf das Jahr der Vereinnahmung der Erträge folgt. Italien setzt eine Frist von 18 Monaten ab Steuerabzug und empfiehlt, den Antrag spätestens innerhalb von 15 Monaten einzubringen. Die Rückerstattung kann dafür bis zu sechs Jahre dauern. Die Abwicklung seitens der deutschen Finanz geht wesentlich flotter; erfahrungsgemäß sollte die Rückzahlung in fünf bis acht Wochen erledigt sein.

Die Eidgenossen bestehen übrigens darauf, dass im Rückerstattungsformular immer brav Schweizer-Franken-Beträge angegeben werden. Sie wollen auch einen zusätzlichen "Tax Voucher", den man bei der Depotbank oder bei der eidgenössischen Steuerverwaltung
anfordert. Dieses Papier ist mit Zahltag, der ISIN-Nummer sowie dem Namen der Aktie zu ergänzen und dem Rückerstattungsformular beizulegen. (Reinhard Krémer, DER STANDARD, 18.7.2014)

  • Ein paar Schritte verhindern, dass Halter ausländischer Aktien unnötig Geld im Ausland liegenlassen
    foto: istock

    Ein paar Schritte verhindern, dass Halter ausländischer Aktien unnötig Geld im Ausland liegenlassen

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