Scharfe Kritik an Ex-Nokia-Boss Elop nach Massenkündigungen

18. Juli 2014, 09:09
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“Unmenschliches” Schreiben an Mitarbeiter - Seit Beginn der Ära Elop mehr als 50.000 Entlassungen bei Nokia

Wenn die Kündigung von tausenden Mitarbeitern verlautbart werden soll, ist es sicherlich nicht gerade trivial den richtigen Ton zu treffen, immerhin stecken dahinter auch viele Einzelschicksale. Die Art, wie Microsoft die größten Stellenkürzungen seiner Geschichte verkündet hat, führt nun aber nachträglich zu scharfer Kritik an dem Unternehmen.

Roboterhaft

So wirft etwa Arstechnica-Autor Lee Hutchinson Firmenchef Satya Nadella vor, seinen offenen Brief an die Angestellten in geradezu roboterhaftem Ton verfasst zu haben. Anstatt angesichts des Ausmaßes der Entlassungen so etwas wie Mitgefühl zu zeigen, habe Microsoft das Schreiben mit verharmlosenden Phrasen vollgepackt, und dabei auch gleich die Chance genutzt, um die eigene Markenstrategie an die Medien zu kommunizieren.

Unmenschlich

Das Schreiben versinnbildliche geradezu, wie unmenschlich große Unternehmen mit Menschen umgehen, so Hutchinson. So werde den Microsoft-Mitarbeitern darin mitgeteilt, dass sie - voraussichtlich - in den kommenden sechs Monaten erfahren werden, ob sie  von den Kündigungen betroffen sein werden - oder eben auch nicht. Bis dahin können praktisch alle bei Microsoft um ihren Job fürchten. Dazu passe dann der Schlusssatz des Schreibens, der angesichts der aktuellen Realität nicht einer gewissen Ironie - oder eines gesteigerten Zynismus - entbehre: “Jeder kann davon ausgehen, dass er mit jenem Respekt behandelt wird, den er sich für seine Beiträge zu diesem Unternehmen verdient hat”, heißt es da.

Elop

Noch spezifischer legt Guardian-Autor Nils Prattey seine Kritik an: Von Ex-Nokia-Boss Stephen Elop könne man lernen, wie man Kündigungen auf keinen Fall verlautbaren sollte. Dessen Memo an die Geräteabteilung von Microsoft sei nämlich ein Paradebeispiel für die Abgehobenheit mit der viele in der Branche agieren würden.

Nebenbei

So sei das Schreiben nicht nur von hohlen Phrasen geprägt, es beginnt auch gleich mit der flappsigen Einleitung "Hello there". Elop nutze das Memo zudem allen Ernstes dazu, um von “neuen Interaktionsmodellen” und “Kulttablets” zu schwärmen. Irgendwann nach zwei Drittel des Schreibens wird dann in gerade einmal zwei Sätzen erwähnt, dass 12.500 Mitarbeiter der Geräteabteilung - und damit immerhin die Hälfte sämtlicher von Nokia übernommener Angestellter - gekündigt werden.

Konsequenzen?

Die Kritik an Elop beschränkt sich allerdings nicht auf das aktuelle Schreiben. So fragt beispielsweise Branchen-Insider Om Malik in einem aktuellen Blog-Eintrag, wie es eigentlich sein kann, dass jemand wie Stephen Elop noch immer seinen Job hat. Unter seiner Führung seien mehr als 50.000 Jobs bei Nokia verloren gegangen, das Unternehmen in den Abgrund geschlittert. Und auch wenn dieser Umstand sicher nicht alleine in die Verantwortung von Elop fällt - hier sind schon Jahr zuvor schwere Fehler gemacht worden - so habe er es doch auch nicht geschafft, diesem irgendetwas entgegenzusetzen.

Keine Strategie

Diese Ideenlosigkeit spiegle sich auch in Elops aktuellem Memo wieder: “Kurzfristig planen wir die Verkaufszahlen von Windows-Phone-Geräten durch den Fokus auf kostengünstige Geräte voranzutreiben”, heißt es darin. Das sei exakt die selbe Strategie, die jahrelang von Nokia zu hören war so Malik - mit dem bekannten Ergebnis. In Summe zeige sich hier eigentlich nur eines: Microsoft habe schlicht keine Nokia-Strategie. (apo, derStandard.at, 18.7.2014)

  • Microsofts Geräteboss Stephen Elop steht einmal mehr in der Kritik - aber dieses mal zumindest nicht alleine.
    foto: gustau nacarino / reuters

    Microsofts Geräteboss Stephen Elop steht einmal mehr in der Kritik - aber dieses mal zumindest nicht alleine.

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