"Der Einzige, der an Apple verdient, ist Apple"

18. Juli 2014, 07:59
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Wiener IT-Großhändler Omega: Branchensterben wegen klassischer Fehler

Der Wiener IT-Großhändler Omega sieht die Insolvenzen von Niedermeyer, ditech, Köck und mcshark als Folge klassischer ökonomischer Fehler. Mit der Konzentration auf immer größeres Wachstum seien "betriebswirtschaftliche Grundregeln außer Acht gelassen worden", so Omega-Chef Günter Neubauer vor Journalisten.

Einschätzung

Persönlich sehr leid tue ihm ditech, hier habe das Konzept gepasst, aber Firmengründer Damian Izdebski habe mit der Zeit die Zügel zu locker gelassen und sich zu sehr auf seine Mitarbeiter verlassen. "Er war der Mastermind", so Neubauer.

Natürlich sei auch der Margendruck gewaltig, aber hier würden die Hersteller inzwischen schon versuchen, die Händler leben zu lassen. Allerdings werde dies dadurch unterwandert, dass die Waren quer durch Europa hin- und hertransportiert würden. Hier käme dann auch die steuerliche Ungleichbehandlung voll zu tragen, setze er einen Seitenhieb auf "Box-Mover" Amazon, dem immer wieder eine besonders "kreative" Steuerlösung vorgeworfen wird.

Apple

Eine Sondersituation sei Apple. "Der Einzige, der an Apple verdient, ist Apple", so Neubauer, der nur ganz wenige Produkte der Marke führt. Er räumte aber ein, dass Apple zumindest ein Frequenzbringer sei.

Das klassische Shopgeschäft sei jedenfalls dem Untergang geweiht, wer nicht auch online präsent ist habe keine Chance. Und hier auch nur, wenn er es schafft, so weit wie möglich einzigartig zu sein.

Zyklen

Auf die IT-Hersteller und Distributoren drückten auch die längeren Lebenszyklen. Wurden Computer früher oft nur drei Jahre behalten seien es mittlerweile vier bis fünf Jahre. Neubauer erwartet, dass sich die Anbieter künftig Beratung zahlen lassen würden, auch wenn dies bei den meisten Konsumenten derzeit noch auf Unverständnis stoße.

Omega hat im Vorjahr mit rund 54 Mitarbeitern 130,6 Mio. Euro umgesetzt. Im Jahr zuvor waren es 127 Mio., das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) lag 2012 bei 1,89 Mio. Euro. 20 Prozent des Umsatzes macht der Großhändler und Lösungsanbieter mit dem Consumergeschäft, künftig will Neubauer auch verstärkt in den Elektrohandel "hineinschnuppern". Für den Herbst ist eine Kooperation mit einem deutschen Partner geplant, mit dem das Thema Schulungen angegangen werden soll. (APA, 18.7.2014)

  • Apple bringe den Händlern zwar eine gewisse Frequenz, an den Geräten verdiene aber nur der Hersteller selbst, kritisiert Omega-Chef Günter Neubauer.
    foto: aly song / reuters

    Apple bringe den Händlern zwar eine gewisse Frequenz, an den Geräten verdiene aber nur der Hersteller selbst, kritisiert Omega-Chef Günter Neubauer.

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