Smart: Für Einsame, Zweisame, Viersame 

18. Juli 2014, 18:15
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Smart nimmt den WM-Schwung mit: Einen Tag nach dem Heimkehrfest der deutschen Nationalmannschaft feierte die neue Smart-Generation Weltpremiere in Berlin

Deutschland, ein Sommermärchen. Und kaum ist der Fußball abgefeiert in Berlin, setzt Daimler noch eins drauf, mit der Weltpremiere der neuen Smart-Generation, Fortwo und Forfour, gleich zwei auf einen Schlag. Ein Fest. Ein Sommernachtstraum.

Gut, dass man Konzernchef Dieter Zetsche das richtige Märchen in die Rede schrieb, hätte ja auch sein können: Andersens Des Kaisers neue Kleider, da steht man schnell nackig da. So aber: Der Hase und der Igel, Gebrüder Grimm. Igel verspottet am Ziel den Hasen: Bin schon da. Das wiederholt sich, bis der Hase nicht mehr kann. Und da haben wir's: "Smart ist ein bisschen der Igel in der Autoindustrie", verkündete Zetsche, "klein, unterschätzt, aber oft als Erster da, wo es um die großen Trends der urbanen Mobilität geht".

800 Varianten

Gehe es etwa um Teilen statt Besitzen, könne man sagen: Bin schon da, weil: car2go. Oder bei der Individualisierung, ein Einserschmäh, den Kunden Geld abzuknöpfen mit der Verlockung, sich ein gänzlich einzigartiges Auto zusammenstellen zu können. 800 verschiedene Varianten sind bei den neuen Smarts möglich.

Warum der Igel stets vor dem Hasen am Ziel sei, liege daran, dass Frau Igel bei Herrn Igels Spiel mitgemacht habe, um Meister Lampe auszumanövrieren. Und auch da rief Zetsche ein fröhliches Analogie-"Bin schon da" in die Hundertschaften aus aller Welt angereister Journalisten: Wenn Herr Igel der Fortwo sei, so der Forfour die gnä' Frau. G'schamster Diener, ergänzt der Österreicher, zitiert den Konzernchef ein letztes Mal mit "Wir sagen auch stolz: Wir haben den Kleinsten" und wendet sich den Fakten zu.

Wendig ist trendig

Mit 2,69 m Länge bleibt der Fortwo exakt auf Vorgängerniveau, legt in der Breite und somit im Wohlfühlkapitel um zehn Zentimeter zu. Lag der erste Smart noch enger an als ein Tatoo, raumt er nun schon respektabel. Und er erhebt Anspruch auf den Wendekreisweltmeistertitel: Mit 6,95 Metern wendet er praktisch am Stand, und auch der viertürige und -sitzige Forfour, mit 3,49 m (VW up!: 3,54 m) ein schnuckelig kompaktes, flexibles Ding, ist mit 8,65 m Wendekreis beweglich wie nur was. Das müsse auch so sein, meinte Smart-Chefin Annette Winkler, denn Platz sei nun mal Mangelware in der Stadt.

Damit das diesmal wirklich ein "Siegertyp" (Winkler) wird, hat Smart enorm zugelegt bei Digitalisierung/Konnektivität und Sicherheit, und vor allem sind endlich passable Getriebe verfügbar: Zum Start (in Österreich: 22. November) gibt's eine 5-Gang-Schaltung, wenige Monate später folgt ein 6-Gang-DCT, ein modernes Doppelkupplungsgetriebe also. Motorisch darf man sich auf drei (Renault-) Dreizylinder-Ottos mit 60, 71 und 90 PS einstellen, es bleibt natürlich beim Heckantrieb, und wie sich die beiden Smarts fahren, darüber berichten wir dann nach der dynamischen Präsentation.

Smart dran und Smart drin

Was man bei der Premierenfeier vermied, direkt anzusprechen: Smart fährt erst seit ein paar Jahren Profite ein. Um diese deutlich zu steigern, hat Daimler sich mit dem Massenhersteller Renault zusammengetan. Die Anzahl an Gleichteilen (mit dem neuen Renault Twingo) beziffert man mit rund 70 Prozent, betont aber: Allüberall, wohin man sehen könne, sei Smart dran und Smart drin.

Der Elektro-Smart läuft noch zwei Jahre in der alten Form weiter, das Cabrio auch. Und damit Sie sich eine ungefähre Preisvorstellung machen können: Der Fortwo legt bei etwa 11.000 € los, der Forfour kostet nur 700 € mehr. (Andreas Stockinger, DER STANDARD, 18.7.2014)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Mit 2,69 Metern ist der Smart Fortwo exakt so kurz wie der Vorgänger, der Forfour misst 3,49.
    foto: andreas stockinger

    Mit 2,69 Metern ist der Smart Fortwo exakt so kurz wie der Vorgänger, der Forfour misst 3,49.

  • Außerdem beansprucht man die Wendekreisweltmeisterschaft.
    foto: andreas stockinger

    Außerdem beansprucht man die Wendekreisweltmeisterschaft.

  • Und weil der Zweisitzer in der Breite um zehn Zentimeter zulegt, sitzt sich's nun passabel. Was bleibt: peppige Farben. Was kommt: Konnektivität - und endlich ordentliche Getriebe.
    foto: andreas stockinger

    Und weil der Zweisitzer in der Breite um zehn Zentimeter zulegt, sitzt sich's nun passabel. Was bleibt: peppige Farben. Was kommt: Konnektivität - und endlich ordentliche Getriebe.

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