Die können mehr als nur sponsern bei der WM

17. Juli 2014, 18:58
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Kia Optima versucht sich als seriöser Passat-Gegner

Taucht ein neuer Passat auf, dann ist das stets auch Gelegenheit, sich im Konkurrenzumfeld umzusehen. Die meisten arrivierten Modelle (außer dem Mazda6, großartiges Auto) sind derzeit schon etwas in die Jahre gekommen. Trotzdem tut sich was, bei den Nochnichtsoguteingeführten zum Beispiel. Die Koreaner des Hyundai-Kia-Konzerns sind mit ihrer aktuellen Mittelklassegeneration angetreten, die Europäer und Japaner das Fürchten zu lehren. Na ja, ganz so dramatisch ist es nicht, aber i40 (Hyundai) und Optima (Kia) sind schon eine Ansage.

Kia stellte uns das Top-Modell zur Verfügung, quasi den optimalen Optima. Die 6-Gang-Automatik betont die komfortable Grundauslegung. Was sie nicht kann: Start-Stopp, blitzartig reagieren und extrem sparsam sein. Handschaltung und Automatik trennen schon im Normwert 1,1 l / 100 km: Da ergeben sich für die 6-Gang-Schaltung im Schnitt 4,6 Liter, bei der Automatik 6,0. Unser Testwert - ermittelt vornehmlich innerstädtisch und auf der Autobahn - lag bei 8,2 l / 100 km, knapp über dem Normstadtwert also. Empfehlung, falls Ihnen Schalten nichts ausmacht: manuelles Getriebe. Oder gleich das Hybridmodell.

Zum Diesel sei gesagt: 1,7 Liter Hubraum, 136 PS und einzige Optima-Motorenwahl außer Hybrid. Leistung passt prima, die Akustik beglückt aber nicht rundum. In fast jeder Lebenslage - Dauerlauf, Leerlauf, Beschleunigung - ist der Motor klar als Selbstzünder vernehmbar. Dies und den Verbrauch kriegen manche souveräner hin.

Hinsichtlich Fahrwerk, Lenkung und Handling haben sich die Koreaner ans europäische Niveau herangekämpft, schon erstaunlich. Nur bei kurzen Wellen tendiert der Wagen zum Poltern, der Rest läuft kultiviert und sittsam.

Mit 4,85 m Länge ist der Kia eine ausgewachsene Limousine. Das Standardmaß - den neuen Passat - überragt er um acht Zentimeter. Wenn trotzdem mit 505 Litern ein knapperer Kofferraum rauskommt als beim VW (586 l), ist das der Eleganz der schlanken Form gestundet. Und damit das klar ist: 505 Liter sind richtig voluminös.

Rollenverteilung

Innen fällt sogleich die Ergonomie des Cockpits auf, die Mittelkonsole neigt sich zum Fahrer. Bei den Instrumenten sind die Rollen klar verteilt: Tourenzähler links, Tacho rechts, dazwischen Infos zu Verbrauch, Reichweite etc.; kleiner Kritikpunkt vielleicht: Der Tacho ist nicht so gut ablesbar. Immer Ärger mit dem Kleingedruckten. Der Rest ist angenehm aufgeräumt, feine Materialanmutung, nirgendwo Billigplastik, und die Verarbeitungsqualität ist top, da scheppert nix.

Außen ist der Optima eine attraktive Erscheinung, womit wir auf Umwegen wieder bei VW sind: Kias genialer Chefdesigner Peter Schreyer, vor kurzem sogar zum obersten Konzernzeichner befördert, werkte bis 2006 bei den Wolfsburgern. War ein Fehler, den ziehen gelassen zu haben, kommentierte sogar Ferdinand Piëch.

Alles in allem ist der Optima eine repräsentative Limousine, elegant bis in die kleinste Blechfalte. Auch bei den technischen Inhalten begegnet er der Konkurrenz auf Augenhöhe, und wenn man ihn dennoch nicht allzu häufig im Straßenbild bemerkt, so liegt das daran, dass es ihn nicht auch als Kombi gibt. (stock, DER STANDARD, 11.7.2014)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Designt und entwickelt wurde der Optima in Deutschland. Vielleicht  trifft er deshalb so gut den europäischen Geschmack.
    foto: stockinger

    Designt und entwickelt wurde der Optima in Deutschland. Vielleicht trifft er deshalb so gut den europäischen Geschmack.

  • Artikelbild
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