Bilfinger verkauft heimische Bau-Tochter

17. Juli 2014, 17:54
1 Posting

Rückzug aus dem klassischen Baugeschäft, 3200 Mitarbeiter in Österreich

Wien - Deutschlands zweitgrößter Baukonzern Bilfinger, der mit 17 Gesellschaften in Österreich vertreten ist, zieht sich aus dem wenig einträglichen klassischen Baugeschäft zurück. Daher steht auch die Bilfinger Baugesellschaft in Wien zum Verkauf. "Wir sind noch ganz früh in dem Prozess, den wir im Mai angekündigt haben", sagte Konzernvorstand Jochen Keysberg.

Die Informationspakete für den anstehenden Deal seien bereits zusammengestellt und würden derzeit an Interessenten verschickt. Diese Bilfinger-Niederlassung in Wien hat ihren Firmensitz im Bürohaus Forum Schönbrunn und erzielte zuletzt rund 80 Millionen Euro Umsatz. Porr-Chef Karl-Heinz Strauss sagte zum Standard, dass er die Unterlagen nun prüfen und bis zum Ende des Sommers über einen Kauf entscheiden werde. Geprüft wird, ob das Gesamtpaket oder einzelne Teile von Interesse seien.

Veräußerung der Construction

Zum Kaufpreis wollte Keysberg keine Angaben machen. Analysten und Bankern zufolge soll sich die Summe zwischen 200 und 255 Millionen Euro bewegen. "Wir gehen davon aus, dass wir das bis zum Frühjahr 2015 erledigt haben", so der Manager. Der langjährige Umbau des gesamten Bilfinger-Konzerns weg vom reinen, zyklischen und wetterabhängigen Baugeschäft hin zum weitaus renditeträchtigeren Immobilien- und Industriedienstleister sei dann abgeschlossen, wenn "die Construction" veräußert sei.

Im Wesentlichen würden Baueinheiten in Deutschland, Polen und eben auch jene in Wien verkauft. Eine Linzer Niederlassung der Wiener Baugesellschaft wurde bereits 2013 aufgelöst. In Österreich erzielte Bilfinger 2013 mit rund 3200 Mitarbeitern in den 17 österreichischen Gesellschaften eine Leistung von 680 Mio. Euro - nach 685 Mio. Euro im Jahr davor. Der leichte Rückgang sei der Bilfinger Baugesellschaft zuzuschreiben. Dort ging der Umsatz im Vorjahr von "gut 100" Mio. auf 80 Mio. Euro zurück. "Bilfinger steht für viel mehr als für Bau - das sind nur etwa zehn Prozent von dem, was wir hier machen, und nun steht es zum Verkauf", betonte Keysberg.

Ausbau der Dienstleistungen

"Wir sind ein interessanter Player im gesamten Bereich Industriedienstleistungen." Weltweit beschäftigt der Konzern rund 74.000 Mitarbeiter. Der Rückzug Bilfingers aus dem klassischen Baugeschäft und der gleichzeitige Ausbau der Dienstleistungen für Kraftwerke, Öl- und Gasanlagen sowie Gebäude läuft seit mehr als zehn Jahren. "2002 haben wir begonnen, in baunahe Dienstleistungen zu investieren", erklärte der Vorstand. Diese Gesamtstrategie, also die Abkehr vom reinen Baubereich, werde nun auch auf Österreich heruntergebrochen. "Das setzen wir auch hier um", sagte er in Wien.

Mit dem klassischen Baugeschäft erzielte die internationale Bilfinger SE 2013, die vom ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch geleitet wird, weltweit noch rund eine Mrd. Euro Umsatz - insgesamt waren es konzernweit 8,5 Mrd. Euro. (APA; cr, DER STANDARD, 18.7.2014)

  • Der deutsche Baukonzern Bilfinger zieht sich aus dem klassischen Baugeschäft zurück.
    foto: reuters/barria

    Der deutsche Baukonzern Bilfinger zieht sich aus dem klassischen Baugeschäft zurück.

Share if you care.