Neue Sanktionen gegen Russland: Poker mit schlechten Karten

Kommentar17. Juli 2014, 17:42
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Der Widerstand, den die Rebellen den Regierungstruppen entgegensetzen, ist nur mit massiver Hilfe von außen zu erklären

Kurz hatte es so ausgesehen, als würde Russland im Ukraine-Konflikt auf einen konstruktiveren Kurs einschwenken. Moskau verhielt sich trotz der verschärften Kämpfe in der Ostukraine auffallend ruhig und initiierte sogar eine Grenzbeobachtungsmission der OSZE. Inzwischen scheint klar, dass das nur Taktik war, vielleicht auch die Begleitmusik zur Teilnahme Wladimir Putins am Gipfel der Brics-Staaten in Brasilien.

Der Widerstand, den die Rebellen den Regierungstruppen entgegensetzen, ist nur mit massiver Hilfe von außen zu erklären. Der mutmaßliche Abschuss ukrainischer Militärmaschinen von russischem Gebiet aus passt in dieses Bild - wie auch der Auftritt des Donezker Separatistenführers Denis Puschilin am Donnerstag in Moskau.

Die Verschärfung der Sanktionen gegen Russland durch USA und EU ist die logische Konsequenz. Dabei halten sich die Europäer noch immer spürbar zurück. Die im Stufenplan vorgesehene Stufe drei mit (vermutlich auch für die EU) schmerzhaften Maßnahmen bleibt eine Drohung. Die Europäer verstecken sich hinter den Amerikanern und hoffen, dass deren schärfere Gangart die ohnehin angeschlagene russische Wirtschaft so empfindlich trifft, dass Putin aus innenpolitischen Gründen letztlich einlenkt.

Es ist ein Poker, in dem alle schlechte Karten haben und hoffen, sie durch gute Nerven ersetzen zu können. Und genau das macht dieses Spiel so gefährlich. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 18.7.2014)

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