Underberg verkauft ganzes Schlumberger-Aktienpaket

17. Juli 2014, 17:30
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Deutsch-schwedischer Unternehmer Paulsen will mit Schlumberger international Fuß fassen - Laut Firma hat Eigentümerwechsel keinen Einfluss auf Beschäftigte oder Standort

Wien - Der heimische Sekthersteller Schlumberger bekommt einen neuen Mehrheitseigentümer. Die deutsche Unternehmerfamilie Underberg will ihr komplettes Aktienpaket an die Sastre Holding mit Sitz in der Schweiz (Lausanne) verkaufen. Diese gehört über eine Stiftung dem deutsch-schwedischen Unternehmer Frederik Paulsen Jun., der international im Wein-, Spirituosen- und Sektmarkt Fuß fassen möchte.

Der Deal bedürfe noch einer kartellrechtlichen Genehmigung, teilte Schlumberger am Donnerstag ad hoc mit. Auf die Beschäftigten, den Standort, das Management sowie die laufende Geschäftstätigkeit habe der Eigentümerwechsel keinen Einfluss. "Die Geschäfte werden unverändert von Vorstand und Management mit Sitz in Wien geführt", heißt es zur APA.

Im Aufsichtsrat dürfte sich aber einiges ändern. Derzeit wird dieser noch von den Underberg-Vertretern Hubertine Underberg-Ruder (Vorsitzende) sowie Emil Underberg (Stellvertreter) geleitet.

Die Familie Underberg - sie hielt die Schlumbergermehrheit über ihre Underberg Gruppe - hatte bereits im März die Absicht bekanntgegeben, das Schlumberger-Aktienpaket ganz oder zumindest Teile veräußern zu wollen.

Underberg kaufte Schlumberger im Jahr 1973 und brachte die Firma im Jahr 1986 an die Wiener Börse. Das Kerngeschäft von Underberg liegt im Bereich Kräuterspirituosen, darauf will sich die deutsche Unternehmerfamilie künftig noch stärker fokussieren.

Die abgespaltene Gurktaler AG ist von dem Deal daher nicht betroffen. Dort bleibt Underberg Mehrheitseigentümerin.

Bei Schlumberger jedoch verkauft Underberg 1.126.093 Stück Stammaktien und 250 Vorzugsaktien an die Sastre Holding. Das entspricht einem Anteil von rund 50,1 Prozent an den gesamten ausgegebenen 2,25 Mio. Aktien der Schlumberger AG. Über die Details der Abwicklung, Bezahlung und auch die Höhe des Kaufpreises sei Vertraulichkeit vereinbart worden.

In Summe hat Schlumberger 1,5 Mio. Stück Stammaktien und 750.000 Stück stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgegeben. An den stimmberechtigten Stammaktien hielt Underberg 75,07 Prozent. 9,7 Prozent der Stammaktien gehören der Firma Schlumberger selbst, mehr als 15 Prozent sind im Streubesitz. Der neue Eigentümer ist aufgrund der gesetzlichen Vorschriften verpflichtet, allen Streubesitz-Aktionären ein Übernahmeangebot zu machen.

Paulsen will mit seiner Sastre Holding ein international tätiges Feinkost-Netz mit Wein, Sekt und Spirituosen aufbauen und sieht Schlumberger als ideale Ergänzung, wie es zur APA hieß. Derzeit ist die Firma in Großbritannien, Frankreich, Japan, Russland und den USA aktiv. Mit Schlumberger soll der Markteintritt in Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden erfolgen.

Paulsens Vater (Frederik Paulsen) hat sich vor allem als Pharma-Unternehmer einen Namen gemacht. Sein Vater ist bereits verstorben, er selbst ist inzwischen nicht mehr operativ im Pharma-Bereich tätig. (APA, 17.7.2014)

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