Flugradar-Ausfall: NATO-Übung als Grund "liegt auf der Hand"

17. Juli 2014, 17:30
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Im Juni waren 54 Flugzeuge vom Schirm verschwunden

Berlin/Wien - Immer mehr Indizien sprechen dafür, dass zwei großflächige Manöver der NATO für länderübergreifende Ausfälle ziviler Flugradareinrichtungen verantwortlich sind.

Am 5. und 10. Juni waren in Mitteleuropa insgesamt 54 Flugzeuge von den Schirmen der zivilen Luftfahrtskontrollen verschwunden - für die österreichische Luftfahrtbehörde Austrocontrol ein "beispielloses" Ereignis. Schon kurz darauf war spekuliert worden, dass eine zu dieser Zeit stattfindende NATO-Übung die Störungen verursacht hätte.

Gleich zwei NATO-Manöver

Jetzt hat die deutsche Bundesregierung in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung neue Informationen bereitgestellt: Schuld an dem Ausfall, der sogar die polnischen Anlagen beeinträchtigt hat, soll eine "externe Störquelle" gewesen sein.

Außerdem wurde publik, dass nicht nur eine, sondern gleich zwei NATO-Manöver zur Zeit der Ausfälle stattgefunden hatten: Erst übten die ungarischen Luftstreitkräfte, kurz darauf die italienische Armee samt slowenischen Partnern.

Luftabwehr- und Radareinheiten beteiligt

Beide Übungen liefen im Rahmen des "Newfip"-Programms, das elektronische Kampfführung im Luftraum erproben soll. Beteiligt waren laut der Anfragebeantwortung zumindest beim ungarischen Manöver auch Luftabwehr- und Radareinheiten.

Weitere Details über die NATO-Übungen wollte die deutsche Bundesregierung in ihrer Anfragebeantwortung nicht preisgeben. Sie verweist auf Untersuchungen der europäischen Luftfahrtsbehörde und der NATO, die momentan durchgeführt werden.

Verweis auf Austrocontrol

Für den deutschen Links-Abgeordneten Andrej Hunko, der die Anfrage gestellt hatte, "liegt es auf der Hand, dass das NATO-Manöver ursächlich für die Störung war".

Auf die Frage, ob das österreichische Bundesheer über die Truppenübungen informiert war, gibt es seitens des Verteidigungsministeriums keine Antwort. Auf Anfrage des STANDARD gab das Bundesheer lediglich bekannt, selbst keine Störungen erlitten zu haben. Für weitere Fragen verweise man an die zivile Luftfahrbehörde Austrocontrol.

Diese erklärt jedoch, dass für die Untersuchung die europäische Luftfahrtbehörde zuständig sei, da der Vorfall ganz Mitteleuropa betroffen habe. Dass man auch in Österreich an einen Zusammenhang mit den Militärübungen glaubt, zeigt die Aussage von Austrocontrol-Sprecher Markus Pohanka, die Slowakei habe "wertvolle Hinweise" geliefert.

Kein Kommentar von der NATO

Die dortige Flugsicherung hatte bereits Anfang Juni die NATO-Manöver als Ursache genannt. "Sofort nach der Identifizierung des Problems wurde jene Seite kontaktiert, welche die Übungen organisiert hat, und diese wurden gestoppt", erklärte die slowakische Behörde damals.

Von der NATO gibt es bis heute keinen Kommentar, das Militärbündnis will die eigene Untersuchung abwarten. Kritiker wie Bundestagsabgeordneter Hunko erwarten sich davon allerdings nicht viel: "Dass ausgerechnet die NATO-Basis im geheimdienstumwitterten Ramstein die Vorfälle aufklären soll, lässt bei mir keinerlei Beruhigung aufkommen." Für ihn zeige der Vorfall, welche Gefahr von Militär und Geheimdiensten ausgingen. (Fabian Schmid, DER STANDARD, 18.7.2014)

  • Zwei großflächige Ausfälle bei der zivilen Flugradarerfassung bereiten den Luftfahrtbehörden Kopfzerbrechen.
    foto: reuters/hartmann

    Zwei großflächige Ausfälle bei der zivilen Flugradarerfassung bereiten den Luftfahrtbehörden Kopfzerbrechen.

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