Kroatien: Medien kämpfen ums Überleben und gegen ihre Eigentümer

17. Juli 2014, 12:42
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Konkursausgleichsverfahren für Medienhäuser EPH und Novi list - Mutmaßliche kriminelle Machenschaften rücken sie ins schiefe Licht

Zagreb - Um den kroatischen Mediensektor ist es nicht gut bestellt. Diese Diagnose teilen Medien in ganz Europa, doch in Kroatien haben die Probleme der Zeitungen auch mit mutmaßlich kriminellen Handlungen ihrer Eigentümer zu tun. In der Bredouille sind gleich zwei Medienhäuser, die Europapress Holding (EPH) und Novi list in Rijeka.

Die EPH von Mehrheitseigentümer Ninoslav Pavic, deren Flaggschiffe die Tageszeitungen "Jutarnji list" und "Slobodna Dalmacija" sind, befindet sich im Konkursausgleichsverfahren, ebenso wie die Zeitung "Novi List" von Eigentümer Albert Faggian. Doch im Gegensatz zu andern Firmen, die sich in einem solchen Verfahren befinden, das einen Konkurs abwenden und ein funktionierendes Unternehmen hervorbringen soll, wirtschaftet "Novi list" nach Angaben von Chefredakteur Branko Mijic positiv. In den ersten drei Monaten 2014 wies die Zeitung sogar einen Gewinn von 1,5 Mio. Kuna (196.850,39 Euro) aus.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Das Problem waren jedoch andere Firmen des Eigentümers Faggian, die "Novi list" Geld schuldeten und die sich ihrerseits in einem Konkursausgleichsverfahren befinden, sagt Mijic. Inzwischen nahm die Staatsanwaltschaft in Rijeka Ermittlungen gegen Eigentümer Faggian, ein jetziges und ein früheres Vorstandsmitglied auf. Die drei sollen bei der Zeitung einen Schaden in Höhe von 800.000 Kuna verursacht haben.

"Die jetzige Situation ist die, dass Albert Faggian dank schlechter kroatischer Gesetze, seines Einflusses auf die Politik und freundschaftlicher Verhältnisse zum Vorstandsvorsitzenden der Zagrebacka Banka, Franjo Lukic, noch immer über das Schicksal von Novi list entscheidet", sagt Chefredakteur Mijic. Die Bank behandle Faggian noch immer wie einen Partner, obwohl er seine Firmen wie die Regionalzeitung "Glas Istre" zugrunde gerichtet habe, indem er seine Kredite nicht zurückgezahlt habe, so Mijic.

EPH-Eigentümer immer wieder in den Schlagzeilen

Der Chefredakteur und die Belegschaft von 261 Mitarbeitern wehren sich gegen das Konkursausgleichsverfahren ihrer Zeitung. Sie befürchten, dass der Eigentümer die Qualitätszeitung im Lauf des Verfahrens nicht vor dem Konkurs retten, sondern ihn herbeiführen wird.

Die wichtigste Zeitung der Region Rijeka dient als Hypothek für Kredite, die Faggian bei der Gläubigerbank Zagrebacka banka (Unicredit) aufgenommen hat. Mit der Umwandlung der Forderungen in einen Eigentümeranteil würden der Bank 80 Prozent des Medienunternehmens gehören.

Auch EPH würde zu 90 Prozent in den Besitz ihrer Gläubigerbank, der Hypo Alpe Adria Bank, übergehen, wenn diese beim Konkursausgleichsverfahren ihre Forderungen nicht bedienen kann. Gegen EPH-Eigentümer Ninoslav Pavic laufen zwar keine Ermittlungen, doch er und sein Medienhaus fanden sich in den vergangenen Jahren immer öfter in negativen Schlagzeilen wieder.

Medienkrieg

Vor allem das Internetportal "Index" brachte Pavic in der Vergangenheit in Zusammenhang mit dem wegen Korruption verurteilten Ex-Premier Ivo Sanader, mit dubiosen Geschäftsleuten sowie mit fragwürdigen Krediten der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank in Kroatien.

"Jutarnji" und "Index" traten in einen regelrechten Medienkrieg, in dem sie sich gegenseitig vorwarfen, eine Kampagne gegen das jeweils andere Medium zu führen. EPH-Chef Pavic klagte schließlich den Chef von "Index", Matija Babic, wegen Rufschädigung.

Mehrmals gab es Gerüchte, dass "Jutarnji list" schließen könnte. Doch Chefredakteur Viktor Vresnik sagt: "Jutarnji list stand nie vor der Schließung. Es bestand jedoch die Möglichkeit, die Eigentümerstruktur sowohl des Medienhauses als auch der Zeitung zu ändern." Zu den Vorwürfen sagt Vresnik zur APA: "In Kroatien gibt es leider kein Medienhaus, über das nicht alles Mögliche geschrieben wurde, und EPH ist da keine Ausnahme."

Ungewisse Zukunft

Die Entwicklung macht auch der Journalistenvereinigung HND Sorgen. "Die größte Gefahr für die Medienhäuser ist, dass die Medien nach den Konkursausgleichsverfahren von den bisherigen Eigentümern weiter geführt werden", so HND-Präsident Zdenko Duka.

In Kroatien gingen in den vergangenen zwei Jahren mehrere Medien zugrunde. Darunter zählen das Polit-Magazin "Nacional", das vom ermordeten Journalisten Ivo Pukanic gegründet wurde, sowie die Wochenzeitschrift "Forum" des österreichischen Medienkonzerns Styria.

Auch staatliche Medien hielten dem Wettbewerb und der Wirtschaftskrise nicht stand, etwa die Zeitung "Vjesnik", die der Regierung zu teuer wurde. In eine ungewisse Zukunft blickt auch die staatliche Nachrichtenagentur HINA, die ihren Mitarbeitern nur noch bis zum Herbst Gehälter auszahlen kann. Im Oktober soll die kroatische Regierung über die Zukunft der Agentur entscheiden. (APA, 17.07.2014)

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