Weniger Fracht rollt auf der Schiene über die Alpen

17. Juli 2014, 05:30
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Das in Tirol geplante Fahrverbot für Lkws mit Rundholz, Abfall oder Schrott soll Fracht von der Straße auf die Schiene verlagern

Wien - Beim dritten Anlauf wollen die Tiroler den strengen Kriterien des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) entsprechen. Zweimal war das sogenannte sektorale Fahrverbot für bestimmte Waren- und Gütertransporte per Lkw durch Tirol von den Wächtern über den freien Warenverkehr gekippt worden. Nun sollen - quasi als Vorhut für das ab November 2015 geplante Teilfahrverbot - zunächst "gelindere Mittel" zur Eindämmung der Lärm- und Umweltbelastungen eingesetzt werden.

Die da wären: Die umstrittene Verordnung für Tempo 100 auf Teilen von A12 und A13. Und: Ab September 2015 dürften Lkw der Schadstoffklasse Euro 2 nicht mehr auf Tiroler Autobahnen fahren. 2017 wird das Fahrverbot auf die Kategorie Euro 3 ausgeweitet und 2022 sollte gemäß dem im Juni fixierten "Maßnahmenpaket Tirol" der Tiroler Landesregierung auch die Klasse Euro 4 verpönt sein.

Ob dies der gewünschten Verlagerung von der Straße auf die Schiene tatsächlich einen Schub bringen wird, bleibt abzuwarten. Nötig wäre jedenfalls ein solcher, denn der Schienengüterverkehr ist zwar dabei, sich vom massiven Einbruch während der Finanz- und Wirtschaftskrise zu erholen. Hinter vollmundigen Versprechungen seitens der Politik bleibt aber insbesondere der alpenquerende Güterverkehr zurück.

Bilanz 2013

2013 wurden 11,7 Millionen Tonnen Fracht auf den Schienen über den Brenner transportiert. Davon 3,1 Millionen Tonnen waren Rollende Landstraße, also Lkw samt Fracht, 6,4 Millionen Tonnen entfielen auf den unbegleiteten Kombi-Verkehr. Zum Vergleich: 2010 wurden laut einer Anfragebeantwortung von Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) an Grünen-Verkehrssprecher Georg Willi 14,4 Millionen Tonnen in Güterzügen über den Brenner gekarrt, 2012 waren es nur 11,2 Millionen Nettotonnen.

Stagnierend oder rückläufig war der Schienengüterverkehr im Vorjahr auf fast allen österreichischen Alpenübergängen: Der Semmering pendelt zwischen 11,8, 11,0 und 11,9 Millionen Tonnen und die Tauernachse zwischen 6,6 und 7,9 Millionen Tonnen. Die Bahn ist gemäß Angaben des Verkehrsministeriums weit entfernt von den jüngst wohl als Rechtfertigung für den umstrittenen Semmering-Basistunnel genannten 16 Millionen Tonnen.

Relativ stabil war 2013 laut den Zahlen des Verkehrsministeriums auch das Frachtaufkommen auf der Tauernstrecke. Insgesamt beliefen sich die bewegten Gütermengen zwischen 19,3 und 21,6 Millionen Tonnen. Davon entfielen auf die Güterbahnen zwischen 6,6 und 8,4 Millionen Tonnen pro Jahr, wobei Letzteres ein Highlight seit dem Jahr 2000 darstellt. Die Frächter auf der Straße transportierten pro Jahr rund 13 Millionen Tonnen.

In guter Gesellschaft

Gemäß der jüngsten von der "Zürich-Gruppe" (Schweiz, Frankreich und Österreich) publizierten Aufstellung, befindet sich Österreich damit in guter Gesellschaft: Über Ventimiglia, nach der Sperre des Mont-Blanc-Tunnels vor 15 Jahren Hauptersatzroute von Frankreich nach Italien, brach der Schienengüterverkehr de facto zusammen, während Lkw-Transporte seit dem Jahr 2000 von 13,7 auf mehr als 17 Millionen Tonnen zugenommen haben. Und seit der Mont-Blanc-Straßentunnel 2002 wieder in Betrieb ist, führt man jährlich zwischen 8,6 und 8,8 Millionen Tonnen durch.

Ein ähnliches Bild übrigens in der Schweiz, wo nach Milliardeninvestitionen in den Lötschbergtunnel in zweieinhalb Jahren der nicht minder teure Gotthard-Tunnel in Betrieb gehen soll: Die Schienentransporte über das Gotthard-Massiv haben sich seit 2000 von 16,8 auf 13,9 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert. Gestiegen, wenn auch nicht im selben Ausmaß, ist die Straßenfracht (von 7,6 auf 10,0 bis 10,9 Millionen Tonnen).

Vergleichszahlen für 2013 liegen für die "Zürich-Gruppe" noch nicht vor. Ein Trend ist anhand der österreichischen allerdings unverkennbar. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 17.7.2014)

  • Fracht fährt über die Alpen, aber weniger als zuletzt.
    foto: öbb

    Fracht fährt über die Alpen, aber weniger als zuletzt.

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