Internationales Währungssystem: Revolution auf Raten

Kommentar16. Juli 2014, 20:35
33 Postings

Von einem Ende der Dollar-Dominanz ist das Währungssystem weit entfernt

Der Dollar ist seit 70 Jahren die Weltwährung schlechthin. Und die Weltbank und der Internationale Währungsfonds spiegeln den institutionellen, wirtschaftlichen Machtanspruch der USA wider. Nun bekommen sie Konkurrenz. In Schanghai schalten und walten künftig Bank und Fonds der neuen Welt, finanziert von China und den anderen Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien und Südafrika. Eine währungspolitische Wachablöse als Ausdruck der wirtschaftlichen Realität, wachsen doch die Schwellenländer rascher als die USA oder Europa.

Doch von einer echten Revolution und einem Ende der Dollar-Dominanz ist das Währungssystem weit entfernt. Der US-Dollar ist Anker für viele Rohstoffe geblieben, und an den wichtigsten Finanzmärkten, vor allem bei Anleihen, wurde er in den vergangenen Jahren sogar wichtiger.

Tatsächlich bremst China selbst eine echte Währungsreform. Dafür müsste es nämlich die eigene Währung für die Welt öffnen. Doch dieses Unterfangen ist für die Pekinger Führung schwierig zu kalkulieren, ein Machtverlust in dem zentralisierten Wirtschaftssystem wäre wahrscheinlich.

Eine andere Rechnung ist einfacher. China hortet einen Riesenberg an Dollars (rund 4000 Milliarden). Der wirft in der Nullzinsphase fast nichts ab. Greift China über einen Währungsfonds anderen Ländern mit seinen Dollars unter die Arme, werden diese weiterhin chinesische Exportprodukte kaufen - Umwegrentabilität auf chinesisch. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 17.7.2014)

Share if you care.