Ein Strauß voller Gerüchte zu Merkels Geburtstag

17. Juli 2014, 05:30
86 Postings

Zum 60er von Deutschlands Kanzlerin wird in Berlin über ihren Rückzug spekuliert

Das schönste Geburtstagsgeschenk hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ja schon bekommen. Am Donnerstag wird sie 60 Jahre alt, und sie darf sich nun Kanzlerin der Weltmeister nennen.

Das ist eine feine Sache für die Jubilarin, schließlich ist Merkel ein großer Fußballfan. Ihre Begeisterung im Stadion ist echt, nirgendwo sonst sieht man die deutsche Regierungschefin so emotional wie auf der Tribüne eines Stadions - zuletzt beim WM-Finale in Rio am Sonntag.

Seither feiert Deutschland, und die CDU setzt am Donnerstag noch eine Party drauf. Hunderte Gäste sind zur Sause im Konrad-Adenauer-Haus geladen. Doch wer glaubt, er könne sich nur bei Schampus und gutem Essen amüsieren, der irrt. Denn Merkel hat einen besonderen Wunsch für ihren Geburtstag ausgesprochen: Sie wünscht sich, dass zu ihr und ihren Gästen ein Wissenschafter spricht.

Wissenschafter als Ehrengäste

Also wird der Konstanzer Historiker Jürgen Osterhammel zum Thema "Vergangenheit: Über die Zeithorizonte der Geschichte" einen Vortrag halten, bevor es ans Buffet geht.

Merkel, eine promovierte Physikerin, bleibt damit einer Tradition treu. Schon 2004, zu ihrem 50er, hatte sie einen Wissenschafter zur Party gebeten. Damals hielt der Hirnforscher Wolf Singer eine Rede; böse Zungen behaupteten danach, außer dem Geburtstagskind selbst habe ohnehin kaum jemand etwas verstanden.

Das Gesprächsthema in den Tagen danach war allerdings ohnehin nicht die wissenschaftliche Komponente des Abends, sondern der Auftritt des damaligen FDP-Chefs Guido Westerwelle. Der hatte seinen Lebenspartner Michael Mronz mitgebracht und sich mit diesem ersten gemeinsamen öffentlichen Auftritt zu seiner Homosexualität bekannt.

Apropos Westerwelle: Merkels ehemaliger Vizekanzler ist natürlich auch geladen, wie überhaupt alle Mitglieder der Kabinette Merkel I (große Koalition von 2005 bis 2009), Merkel II (Schwarz-Gelb von 2009 bis 2013) und der aktuellen Regierung.

Im Zenit ihrer Macht

Und man wird auch an diesem Abend rätseln, wie ihre Zukunftspläne aussehen. Mit 60 ist sie im Zenit ihrer Macht, die unangefochtene Nummer eins in Partei und Regierung. Merkel hat die Partei modernisiert - sozialdemokratisiert, sagen viele.

Sie trat nicht nur für den Ausbau von Kindergärten ein, sie verabschiedete sich auch von der Atomkraft und der allgemeinen Wehrpflicht, sie ist heute für den gesetzlichen Mindestlohn. 2009 hat sie sich selbst einmal so beschrieben: "Mal bin ich liberal, mal konservativ, mal bin ich christlich-sozial - und das macht die CDU aus."

Seit Monaten jedoch hält sich in Berlin hartnäckig das Gerücht, Merkel werde 2016 oder 2017 etwas tun, was noch kein deutscher Kanzler gemacht hat: freiwillig aus dem Amt zu scheiden - um mit ihrem Ehemann Joachim Sauer monatelang quer durch die USA zu reisen; um UN-Generalsekretärin oder EU-Ratspräsidentin zu werden, wird gemunkelt - zuletzt im aktuellen Spiegel, der sich auf Vertraute Merkels beruft. 1998 hat sie im Gespräch mit der Fotografin Herlinde Koelbl gesagt: "Ich möchte irgendwann den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg aus der Politik finden. Dann will ich kein halbtotes Wrack sein."

Die Gerüchte jetzt sind ihr natürlich zu Ohren gekommen. Gefragt, ob sie wirklich an Rückzug denke, gab die Bundeskanzlerin eine typische Merkel-Antwort: "Es gibt den Wunsch, diese Legislaturperiode als Bundeskanzlerin ordentlich zu arbeiten, und dann sehen wird weiter." (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 17.7.2014)

  • Happy Birthday, Kanzlerin. Vor dem Brandenburger Tor steht aber nur eine Wachsfigur.
    foto: epa/wolfgang kumm

    Happy Birthday, Kanzlerin. Vor dem Brandenburger Tor steht aber nur eine Wachsfigur.

Share if you care.