Diplomatie zwischen USA und Österreich: Auf den Platz verwiesen

Kommentar16. Juli 2014, 20:29
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Die Bundesregierung wurde von Außenminister Kerry auf ihren Platz auf den hinteren Rängen verwiesen

Man kann es pragmatisch sehen. Da kommt also der US-Außenminster nach Österreich, um mit den Amtskollegen aus der Iran-Verhandlergruppe persönlich und auf Chefebene die Atomgespräche zu retten. Da hat man für bilaterale Nettigkeiten keine Zeit. Dass Wien für so wichtige Gespräche die Bühne sein darf, ist für das kleine - und zugegeben: weltpolitisch ziemlich bedeutungslose - Österreich natürlich Ehre und Chance zugleich. Jahrzehntelang hat man das Potenzial als Treffpunkt der Krisendiplomatie ziemlich brachliegen lassen.

Man kann es aber auch anders betrachten. Nicht nur im Privaten, auch in der internationalen Diplomatie ist es üblich, dem Gastgeber artig "Guten Tag" zu sagen. Was die Franzosen, Briten und Iraner wie selbstverständlich absolvierten, war bei John Kerry tagelang angeblich nicht möglich. Sowohl Bundeskanzler Werner Faymann als auch Kerrys Amtskollege Sebastian Kurz hatten sich um bilaterale Termine bemüht. Vergeblich. Der Grund? Wohl weniger die Unbill nach dem kürzlich erfolgten Putin-Besuch in Wien; wohl schon eher die Taktik der Amerikaner, Schlagzeilen im Zusammenhang mit der Verwicklung der Wiener US-Botschaft in den jüngsten Spionagefall zu vermeiden.

So wurde schließlich die Bundesregierung auf ihren Platz auf den hinteren Rängen verwiesen. Gestoppte 72 Sekunden bei der Verabschiedung am Flughafen mussten genügen, um die Form zu wahren. Und das irritiert. (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, 17.7.2014)

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