Grüne: "Auswärtigen Dienst für alle Uni-Absolventen öffnen"   

17. Juli 2014, 15:37
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Außenpolitische Sprecherin der Grünen gegen "restriktive Zugangsbeschränkungen" für künftige Diplomaten

Wien - Ein Studium der Rechtswissenschaften, der Politikwissenschaften oder ein sozial- und wirtschaftswissenschaftliches Studium muss in Österreich vorweisen, wer sich für den auswärtigen Dienst im Außenministerium bewerben will. Andernfalls kommt für eine Laufbahn als Diplomat oder Diplomatin nur infrage, wer den kostspieligen Diplomlehrgang (DAK) oder das Masterprogramm (MAIS) an der Diplomatischen Akademie - zu bezahlen sind 11.600 Euro pro Studienjahr - beziehungsweise einen vergleichbaren Lehrgang an einer Lehranstalt im Ausland vorzuweisen hat.

Grüne kritisieren Zugangsbeschränkungen

Diese Zugangsbeschränkungen sind den Grünen "zu restriktiv", der fallweise geforderte Zusatzlehrgang sei "sozial und finanziell ungerecht". Im Gespräch mit derStandard.at fordert Tanja Windbüchler-Souschill, außenpolitische Sprecherin der Grünen, dass "diese Ungleichheit beendet wird". Die entsprechende Gesetzespassage im Beamtendienstrecht sei "zu analysieren und neu zu definieren". Der auswärtige Dienst soll, geht es nach Windbüchler-Souschill, für Absolventen aller Studienrichtungen geöffnet werden.

In einer parlamentarischen Anfrage will Windbüchler-Souschill nun vom Außenministerium wissen, ob und, wenn ja, warum Absolventen des Juridikums und der Politikwissenschaften als "geeigneter" anzusehen sind als etwa Absolventen des Studiums Internationale Entwicklung.

Juristen und Politologen bevorzugt

Wie eine Analyse der letzten beiden Aufnahmeverfahren im Außenministerium zeigt, wurden vor allem Juristen und Juristinnen sowie Politikwissenschafter und Politikwissenschafterinnen für den auswärtigen Dienst aufgenommen.

Die Zahlen  in der Grafik unterhalb zeigen, welche Studienrichtungen Personen abgeschlossen haben, die nach den Aufnahmeprüfungen in den Jahren 2010 und 2013 aufgenommen wurden. Die Summe entspricht nicht der Anzahl der Aufgenommenen, da es einige Doppelabsolventen gibt. Die helleren Balken stehen für Personen, die an der Diplomatischen Akademie einen zusätzlichen Lehrgang belegen mussten.


Dass Absolventen und Absolventinnen anderer Studienrichtungen prinzipiell abgelehnt würden, sei "rückschrittlich", kritisiert Windbüchler-Souschill. Das Außenministerium möge "die Chance wahrnehmen, junge, gescheite und talentierte Menschen anzuhören" und Absolventinnen und Absolventen aller Studienrichtungen im Auswahlverfahren zu berücksichtigen. Denn: "Sich nicht einmal bewerben zu dürfen ist nicht zeitgemäß."

Außenministerium prüft

Das Außenministerium erklärte bezüglich einer Änderung der Zugangsvoraussetzung: "Die parlamentarische Anfrage vom 14. Juli ist im Außenministerium eingelangt und wird natürlich eingehend geprüft und beantwortet werden." (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 17.7.2014)

  • Die grüne Abgeordnete Tanja Windbüchler-Souschill kämpft gegen "soziale und finanzielle Ungerechtigkeit" gegenüber künftigen Diplomaten und Diplomatinnen.
    foto: apa

    Die grüne Abgeordnete Tanja Windbüchler-Souschill kämpft gegen "soziale und finanzielle Ungerechtigkeit" gegenüber künftigen Diplomaten und Diplomatinnen.

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