Unkrautvernichtungsmittel haben unerwünschte Nebenwirkungen

16. Juli 2014, 15:51
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Boku-Forscher gegen übermäßigen Glyphosat-Einsatz: "Da schießt man mit Kanonen auf Spatzen"

Wien - Unkrautvernichtungsmittel mit dem Hauptwirkstoff Glyphosat zeigen laut einer aktuellen Untersuchung leider nicht nur dort Wirkung, wo dies beabsichtigt ist. Es ergeben sich auch deutliche Nebeneffekte auf Bodenorganismen wie Regenwürmer oder in Symbiose mit Pflanzen lebende Pilze, berichten heimische Forscher.

Obwohl solche Mittel bereits seit geraumer Zeit nicht nur in der Landwirtschaft eingesetzt werden, sei über die Auswirkungen ihres Einsatzes unter realen Bedingungen relativ wenig bekannt, erklärt Johann Zaller vom Institut für Zoologie der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien. Es gebe zwar wissenschaftliche Daten, die auf Probleme in Verbindung mit dem Einsatz von Glyphosat hinweisen, "aber was Bodentiere betrifft, ist das einer der ersten Befunde, der in einem einigermaßen realistischen Ansatz gemacht wurde", so Zaller über die kürzlich in der Fachzeitschrift "Scientific Reports" erschienene Arbeit.

Bisherige einschlägige Untersuchungen wurden im Labor und somit unter "eher künstlichen Bedingungen" durchgeführt. In den Laboruntersuchungen hätten Forscher schon ungünstige Effekte gefunden, "aber dann kam immer die Kritik seitens der Hersteller, dass das ja nichts mit der Realität zu tun hat", so Zaller.

Raus aus dem Labor

Die Wiener Forscher setzten nun auf ein immer noch stark vereinfachtes, aber weit realistischeres System. Sie studierten die Abläufe in großen Pflanzentöpfen, die mit Feldboden gefüllt waren. Dort wuchsen die Pflanzen unter verschiedenen Bedingungen. Zaller und seine Kollegen interessierten sich vor allem dafür, ob sich ein Einfluss auf Nützlinge wie Regenwürmer oder für die Entwicklung und von Pflanzen wichtige Pilze (Mykorrhiza) einstellte.

Bei einem Einsatz von Herbiziden mit dem Hauptwirkstoff Glyphosat in der vorgeschriebenen Dosis zeigten sich "deutliche Nebeneffekte" auf Bodenlebewesen. Die für die Durchlüftung und Fruchtbarkeit des Bodens wichtigen Regenwürmer waren unter dem Herbizid-Einsatz tendenziell dicker und weniger aktiv. Die Besiedelung der Pflanzenwurzeln und des Bodens mit Mykorrhizapilzen war bis zu 50 Prozent geringer, erklärte Zaller. Das ist problematisch, da 80 Prozent der Landpflanzen in Symbiose mit den Pilzen leben, die den Pflanzen die Nutzung schwer verfügbarer Nährstoffe ermöglichen.

Beliebte Produkte

In Österreich ist der Einsatz von Glyphosat seit Oktober des vergangenen Jahres zwar reglementiert. Bis dahin war es allerdings frei erhältlich, was auch weidlich ausgenützt wurde, so der Wissenschafter. 2012 wurden alleine in Österreich etwa 1.500 Tonnen an Herbiziden versprüht, um Ackerunkräuter zu entfernen, heißt es von Seiten der Boku. Für einen Einsatz in der Landwirtschaft ließen sich noch Argumente finden. Sehr problematisch sei aber die gängige Praxis, auch Bahndämme, Straßenränder, private Gärten oder Kinderspielplätze auf diese Weise unkrautfrei zu halten. Zaller: "Da schießt man mit Kanonen auf Spatzen."

Dass man diese Produkte nun nur noch auf Nachfrage im Fachhandel bekommt bzw. als Landwirt einen "Befähigungsnachweis" zum Einsatz der Mittel erbringen muss, sei schon eine große Verbesserung. In grenznahen Gebieten in Ostösterreich würden allerdings viele dieser Produkte jetzt aber einfach jenseits der Grenzen eingekauft, kritisiert Zaller. Positiv sei, dass der Einsatz von Herbiziden auf Basis von Glyphosat mittlerweile vielerorts kritischer gesehen werde. (APA/red, derStandard.at, 16. 7. 2014)

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