DFB-Präsident bedauert Irritationen nach "Gaucho-Tanz"

16. Juli 2014, 15:17
922 Postings

Wolfgang Niersbach: "Aktion in keinster Weise despektierlich gemeint"

Frankfurt - DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat am Mittwoch Irritationen wegen des von einigen Weltmeisterspielern bei der Titelfeier in Berlin aufgeführten "Gaucho-Tanz" bedauert. "Es tut uns leid, wenn dies bei einigen falsch und missverständlich rübergekommen ist", wurde Niersbach in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes  zitiert.

Niersbach will Argentiniens Verbandschef Julio Grondona "einen Brief schreiben und nochmal deutlich machen, dass die Aktion in keinster Weise despektierlich gemeint war. Wir haben größten Respekt vor Argentinien, beste Beziehungen zum dortigen Verband und freuen uns auf das baldige Wiedersehen beim Länderspiel in Düsseldorf." Die Neuauflage des WM-Endspiels von Rio de Janeiro (1:0 n.V.) findet am 3. September statt.

Angeführt von Vorsänger Miroslav Klose hatten Tormann  Roman Weidenfeller, Shkodran Mustafi, André Schürrle, Final-Torschütze Mario Götze und Toni Kroos bei der Siegerparty vor dem Brandenburger Tor einen beliebten Fangesang auf die unterlegenen Argentinier umgedichtet. In gebeugter Haltung sangen sie "So gehen die Gauchos", um später aufgerichtet hinzuzufügen: "So gehen die Deutschen".

Er wisse von Teammanager Oliver Bierhoff, "dass die Idee der Spieler spontan aus der Emotion und Freude heraus entstanden ist", sagte Niersbach: "Sie sind alle absolut anständige und faire Sportsleute, die sich über niemanden lustig machen, sondern einfach nur ausgelassen mit den Fans feiern wollten."

Nazi-Vergleich

In Argentinien hatte die Szene geteiltes Echo hervorgerufen. Während einige Zeitungen Verständnis für den Überschwang der deutschen Spieler äußerten, schrieb etwa Diario Olé von einer "polemischen" Geste. "Sie schauen von oben herab und sehen sich als andere Rasse", hieß es dort.

Der Sportjournalist Victor Hugo Morales verstieg sich in seiner Sendung beim Radiosender Continental de Buenos Aires zu der Aussage, die Spieler hätten sich in ihrem Verhalten und ihrer Denkweise wie "ekelhafte Nazis" verhalten. Morales wurde in Uruguay geboren, er lebt und arbeitet jedoch seit mehr als 30 Jahren in Argentinien.

Vorwürfe "übertrieben

Der englische "Mirror" lobte die deutsche Siegesfeier pauschal als "anarchisch, chaotisch and fast surreal". Der ehemalige argentinische Bundesliga-Profi Rodolfo Esteban Cardoso befand in einem Interview mit dem TV-Sender Sport1, dass die Aktion "unnötig" gewesen sei. "Ich habe den Sinn gar nicht verstanden. Ich glaube aber nicht, dass sie uns bösartig verarschen wollten."

"Wahrscheinlich wäre ein anderes Lied besser gewesen, aber die Vorwürfe von Rassismus und deutscher Überheblichkeit finde ich übertrieben", meinte Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der Deutschen Sportjugend. "Fankultur lebt ja von Zuspitzungen."

Argentinische Spieler oder Funktionäre hatten sich dagegen nicht kritisch geäußert. (sid/red - 16.7. 2014)

  • zippfel88

    Der Auftritt des Anstoßes.

  • DFB-Präsident Niersbach schreibt einen Brief.
    foto: apa/epa/gebert

    DFB-Präsident Niersbach schreibt einen Brief.

Share if you care.