Altes Berufsbild, neue Qualifikationen

8. August 2014, 09:39
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Berufsbilder stehen unter einem stärkeren Einfluss sozialer Plattformen als gedacht. Mit zunehmender Transparenz verändern sich auch Qualifikationen. Beispiel Marketing

Zuhören war schon immer Teil der Jobbeschreibung für Marketingexperten – wenn auch bislang (für die meisten) der kleinere. Das scheint sich – Social Media treibt diese Entwicklung voran – zu ändern. Marktschreiereien auf sozialen Plattformen wird als unangenehm und unangebracht empfunden.

Hatte man früher noch das Extrovertierte dieser Menschen als zumindest hilfreich für den Marketing-Job gewertet, soll das in Zukunft ganz anders sein. Warum das so sein wird, erklärt ein Bericht in der Harvard Business Review (HBR). Hier geht man von drei wichtigen Treibern aus, die das Berufsbild nachhaltig verändern werden:

1. Zunehmende Transparenz erfordert mehr Augenhöhe

Konsumenten werden künftig noch informierter sein und so auch noch stärker über Wohl oder Weh einer Unternehmung und eben auch von Unternehmensmarken entscheiden. Nicht nur haben mündige Konsumenten eine größere Auswahl an Anbietern jedweder Art in ganz unterschiedlichen Bereichen, sie werden Produkte, Preise und Dienstleistungen auch noch stärker miteinander vergleichen.

Zunehmende Transparenz und auch die Möglichkeit sich direkt – via Social Media Plattformen – nach Bewertungen zu orientieren oder selbst zu bewerten, werden Marken stärken oder entsprechend schwächen. Mit dem, was viele Social Media Nutzer als „Marktschreierei“ auf den Plattformen bezeichnen, also einem reinen Anpreisen, ist es nicht mehr getan. Auch heute nicht.

2. Sich das Wissen der Crowd zunutze machen

Unternehmen machen sich das Wissen der Crowd immer mehr zunutze – zur Zeit mehrheitlich noch zu Marktforschungszwecken. Innovative Unternehmen machen sich aber bereits heute die Liebe zu einer bestimmten Marke geschickt zunutze. Um Wünsche und Vorschläge einzuholen und auch weiterzuentwickeln, muss zuerst "aufgenommen" werden. Auch hier ist Zuhören angesagt und die Bereitschaft, den Konsumenten mehr zu vertrauen und nicht die vollkommene Markenkontrolle für sich zu beanspruchen. Gute Marken entwickeln sich.

3. Meinungsbildner zum Dialog einladen

Nicht zuletzt wird die Gruppe der sogenannten Top-Konsumenten, Meinungsbildner unter den Kunden über Social Media mehr denn je Einfluss auf den Wert von Unternehmensmarken haben. Sie werden über (Digital) Marketing auch näher an die Strategie gerückt, heißt es. Früher schwer zu identifizieren, heute über soziale Netzwerke leichter zu finden, wird man dieser Gruppe besonderes Gehör schenken müssen.

Zuhören und mit den Kunden und Konsumenten in einen Dialog zu treten, wird, da sind die HBR-Autoren sicher, zu einer Kernkompetenz für Marketingexperten werden. Kein Konsument wird sich die Markenwelt erklären lassen wollen, er oder sie wird sich selbst ein Bild machen. Je mehr Unternehmen ihre Klientel bevormunden, umso niedriger werden Markenwerte ausfallen. Augenhöhe ist gefragt. (red, derStandard.at, 08.08..2014)

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