Ein Drittel rechnet mit Leistungskürzungen durch Gesundheitsreform

16. Juli 2014, 14:52
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Hauptverband fühlt sich trotzdem bestätigt

Durchwegs positiv stehen Österreicher und Österreicherinnen der Gesundheitsreform gegenüber. Das ergab eine Befragung des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut GfK. Vor allem erwarten sich die Befragten eine bessere Abstimmung zwischen Spitalsambulanzen und niedergelassenen Ärzten.

Das sieht Hauptverbandschef Hansjörg Schelling als Bestätigung für den "Weg, den wir eingeschlagen haben". Doch beinahe ein Drittel fürchtet, dass durch die Gesundheitsreform Leistungen gekürzt werden.

Haftung der Hausärzte ungeklärt

Aus der Befragung zieht Schelling den Schluss, dass die Wünsche der Bevölkerung mit den Plänen der Gesundheitsreform übereinstimmen. Eines der wichtigsten Ziele ist nach wie vor, die Primärversorgung von den Spitalsambulanzen zum Hausarzt zu lenken.

Erst Ende Juni gab es die Einigung zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung auf "Primary Health Care", in deren Rahmen Hausärzte verstärkt mit anderen Gesundheitsberufen zusammenarbeiten sollen. Der Hausarzt soll dabei die Koordinierung übernehmen - ob er auch die Haftung übernehmen wird, ist noch nicht geklärt. Schelling verweist auf Verhandlungen mit der Ärztekammer. Für sie war schon bei den Verhandlungen der Elektronischen Gesundheitsakte die Verantwortung der Ärzte der größte Kritikpunkt und führte zu massiven Protesten.

Patienten wünschen sich mehr Zeit mit Arzt

Der am häufigsten genannte Wunsch an Hausärzte war wie schon im Vorjahr "mehr Zeit für Gespräche". Längere Öffnungszeiten wünschen sich ein Viertel der Befragten. Hier fordert Schelling eine Reform des Gruppenpraxengesetzes, denn bisher sind Kassenverträge personenbezogen. Teilen sich zwei Ärzte einen Vertrag, könne nicht zurückverfolgt werden, welcher von beiden behandelt habe.

ELGA stehen fast 71 Prozent positiv gegenüber, die größten Skeptiker finden sich bei den unter 30-Jährigen, wo sich mehr als ein Viertel ablehnend äußert. Rudolf Bretschneider, Geschäftsführer von GfK, hat hier gleich einen Marketing-Ratschlag: Es sollen nicht nur die technischen Details im Vordergrund stehen, sondern stärker auf den Nutzen für den Patienten fokussiert werden. Schelling sieht das ähnlich, räumt aber ein, dass man sich bisher nur abmelden könne. Er erhofft sich durch den Start der E-Medikation eine bessere Resonanz aus der Bevölkerung.

Ärztekammer sieht Befürchtungen bestätigt

Die Ärztekammer sieht sich durch die Ergebnisse der Umfrage in ihren Befürchtungen bekräftigt. Sie würden sich mit Warnungen und langjährigen Forderungen der Ärzteschaft decken, wie ÖAK-Vizepräsident Johannes Steinhart am Mittwoch in einer Aussendung mitteilte.

Auch in der Furcht der Bevölkerung vor Leistungskürzungen gebe die Studie der ÖAK recht, ebenso wie im Wunsch nach längeren Öffnungszeiten der Praxen und nach längeren Arzt-Patienten-Gesprächen. Gleichzeitig betonte Steinhart, die Koppelung der Gesundheitsausgaben an die wirtschaftliche Entwicklung sei ein "fatales Signal", er hoffe aber, dass diese "substanziellen Probleme" durch die Gesundheitsreform nachhaltig gelöst würden. (mte, derStandard.at, 16.7.2014)

  • Erwartungen an die Gesundheitsreform.
    grafik: apa

    Erwartungen an die Gesundheitsreform.

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