Heulschöne Romantik

17. Juli 2014, 17:11
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Das einzige Album des kalifornischen Playboys Lewis von 1983 wird wiederentdeckt

Ein hübscher blonder Mann steigt mit seiner blonden Freundin 1983 aus einem weißen Mercedes-Coupé und betritt in Los Angeles ein Studio, das man für 25 Dollar die Stunde mieten kann. Normalerweise wird es von Hardcore-Punkbands gebucht, dementsprechend abgetakelt sieht es aus. Der Mann nennt sich Lewis und wird während weniger Stunden ein Album namens L’Amour aufnehmen.

Er begleitet sich selbst an der Gitarre und auf dem Klavier, gelegentlich mit Unterstützung eines zweiten Musikers am wabernden Billigsynthesizer. Das Album erscheint im Eigenverlag und verschwindet in der Versenkung. Vom Künstler, der in Wahrheit sehr wahrscheinlich Randy Wulff heißt und aus Kanada stammt, verliert sich jede Spur.

Es heißt, es habe auch damit zu tun, dass der Mann ein Hochstapler und Playboy ist und wegen eines Versicherungsbetrugs in Malibu rasch untertauchen musste. Andere Stimmen sagen, er habe später noch christliche Alben unter anderem Namen aufgenommen. Wieder andere behaupten, die Geschichte sei gut ausgedacht. Seine angebliche Familie in Vancouver sagt, sie habe von Randy Wulff das letzte Mal 2007 gehört, man wisse aber nichts Genaues.

Die Musik dieses jetzt wiederentdeckten Albums ist wunderschön. Im Geiste von Nick Drake hören wir zartes, stilles, romantisches Songwriting mit zerbrechlicher Stimme und einigem Hall. Manchmal sind die Lieder so traurig wie der Film Driver mit Ryan Gosling. Heulschön. (schach, Rondo, DER STANDARD, 18.7.2014) 

Lewis – L’Amour (Light In The Attic Records / Hoanzl). Erhältlich als Download, als CD und limitiert auf Vinyl .

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    foto: light in the attic
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