Der Spion - geheime Arbeit zwischen Bar und Büro

Kopf des Tages15. Juli 2014, 21:12
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Spioniert wird seit der Antike. Nicht immer bleibt es geheim

Der beste Spion von allen ist ja eigentlich Vogelkundler. Denn Bond, James Bond, ist der Name eines Ornithologen, den Autor Ian Fleming benutzte, um seinem Helden einen Allerweltsnamen zu verpassen.

Seit 1953 prägt Bond das öffentliche Bild des Geheimagenten. One-Night-Stands mit attraktiven jungen Frauen an exotischen Orten, geschüttelte, nicht gerührte, Cocktail-Herausforderungen der Leber und - in den Romanen - Lungenzüge mit extra angefertigten Zigaretten sind allerdings nicht der Standard bei Geheimdiensten.

Das zeigt das literarische Gegenstück George Smiley: Klein, dick, bebrillt, ist der eher der Beamte, der im Büro die Informationen analysiert und Operationen für die Agenten im Feld plant.

Ein deutlich realistischeres Bild der geheimen Arbeit im Dienste der Krone oder des Staates. Und das seit Jahrtausenden. Seitdem sich Menschen die Schädel einschlagen, versuchen sie vorher, etwas über den Gegner herauszufinden. Geheimschriften sind schon aus dem alten Ägypten bekannt, unser Wort Spionage entwickelte sich aus dem Lateinischen.

Dennoch - das Interessante sind nicht die Bürohengste und die guten, weil unentdeckt gebliebenen Spione, sondern die enttarnten. Wie Alfred Redl, der 1913 durch Selbstmord aus der k. u. k. Armee ausschied, nachdem er als Doppelagent aufgeflogen war. Er hatte militärische Geheimnisse an Russland, Frankreich und Italien verraten, an die Öffentlichkeit kam der Skandal dank des "rasenden Reporters" Egon Erwin Kisch.

Doch es gibt noch weitere prominente Spione mit Österreich-Bezug. Harold "Kim" Philby beispielsweise. Der britische MI6-Agent, der gleichzeitig für die Sowjetunion spähte, war von 1933 bis 1934 für die Komintern in Österreich tätig und wurde von einem österreichischen Kommunisten für den sowjetischen Geheimdienst rekrutiert.

Im Juli 2010 wurde der Flughafen Schwechat zum Schauplatz eines Agentenaustausches mit prominenter Beteiligung. Anna Chapman war kurz davor enttarnt worden: Sie arbeitete in den USA nicht nur als Maklerin, sondern war auch Schläferin des russischen Auslandsgeheimdienstes.

James Bond kam übrigens 1983 in den Himmel, woran ein Tscheche schuld ist. Der Astronom Antonin Mrkos benannte mitten im Kalten Krieg einen Asteroiden nach dem Büttel des Klassenfeindes. Die dazugehörige Nummer des Himmelskörpers: 9007. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 16.7.2014)

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