Gaza-Krise: Anlauf der Diplomatie

Kommentar15. Juli 2014, 17:45
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Die Hamas ist auf politische Wege aus der Misere angewiesen

Es hatte eher den Charakter eines diplomatischen Versuchsballons: Ägypten legt einen minimalistisch gehaltenen, rein technischen Waffenstillstandsvorschlag vor, Israel nimmt ihn prompt an, von der Hamas kommt gar nichts beziehungsweise die Ablehnung durch den bewaffneten Arm. Während, wie es aus Kairo heißt, die politischen Spitzen der Hamas zu überlegen beginnen, fliegen die Raketen aus dem Gazastreifen weiter auf Israel, und Israel greift nach einer angemessenen Frist wieder an.

Dieser Verlauf ist alles andere als überraschend. Premier Benjamin Netanjahu riskierte nicht viel, als er jene Stimmen in seiner Regierung beiseiteschob, die nicht weniger, sondern mehr Aktion verlangten. Israels Zustimmung brachte nicht nur einen Legitimitätsgewinn für seine militärischen Operationen, sie ist auch ein Signal an Präsident Abdel Fattah al-Sisi, dass es Israel begrüßt, wenn Ägypten wieder seine traditionelle Rolle in der Nahostdiplomatie einnimmt - mit besten Grüßen an Washington, das die neue Führung in Kairo noch immer nicht rehabilitieren will.

Und noch einen Nebeneffekt hat die Episode: Der Keil, der zwischen den Hamas-Fraktionen und zwischen der Hamas und anderen radikalen Gruppen steckt, wird noch tiefer hineingetrieben. Egal, wie viele Raketen nach Israel fliegen und wie groß das Mitleid mit den toten Zivilisten im Gazastreifen ist: Die Hamas kann sich davon nichts kaufen. Sie ist auf politische Wege aus der Misere angewiesen. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 16.7.2014)

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