Cancellara steigt aus, WM-Vorbereitung geht vor

15. Juli 2014, 18:37
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Schweizer will im September zurück auf den Zeitfahr-Thron - Dritter prominenter Abgang bei Team Trek - Nibali gehen die Gegner aus

Besancon - Fabian Cancellara hat die 101. Tour de France am dienstäglichen Ruhetag vorzeitig verlassen. Der 33-Jährige vom Team Trek Factory Racing will sich eine Ruhepause gönnen und sich im Anschluss gezielt auf die Weltmeisterschaften im spanischen Ponferrada (21. bis 28. September) vorbereiten.

"Ich fahre nach Hause und lege eine Pause ein. Es war für mich eine lange Saison, ich habe 59 Renntage auf dem Buckel. Es ist kein Geheimnis, dass ich bei der WM in Bestform antreten will", sagte Cancellara. Der viermalige Zeitfahr-Champion hatte bei den vergangenen drei Titelkämpfen stets das Nachsehen gegen den deutschen Titelträger Tony Martin und will dies in rund zwei Monaten ändern.

Cancellaras bestes Einzelresultat bei der Tour 2014 war der zweite Platz auf der neunten Etappe am Sonntag nach Mühlhausen. Für das Trek-Team mit Oldie Jens Voigt ist es nach Andy Schleck und Danny Van Poppel bereits der dritte Ausfall.

In der Gesamtwertung führt der Italiener Vicenzo Nibali 2:23 Minuten vor dem Australier Richie Porte, dem neuen Kapitän des Österreichs Bernhard Eisel bei Sky. 2:47 hat er auf den Spanier Alejandro Valverde gut.

Nibali lässt Italien träumen

Und Nibali gehen die Gegner aus. Alberto Contador und Titelverteidiger Chris Froome sind nach Stürzen bereits ausgeschieden. "Das heißt nicht, dass es jetzt einfach wird, im Gegenteil. Ich glaube, das Schwierigste kommt erst noch", bleibt der 29-Jährige jedoch zurückhaltend. Ende der Woche geht es in die Alpen, erst dann kommen die Karten wirklich auf den Tisch.

Nibali könnte im Erfolgsfall in den illustren Klub jener Fahrer eintreten, die alle drei großen Landesrundfahrten gewonnen haben. 2010 triumphierte Nibali bei der Vuelta, im Vorjahr beim Giro d'Italia.

"Italien kann endlich träumen", schrieb die Gazzatta dello Sport und beschwor das Ende der 16 Jahre währenden Durststrecke. Seit Marco Pantani 1998 bei der "Tour du Dopage" 1998 erfolgreich war, gelang es keinem Italiener mehr, Paris in Gelb zu erreichen.

Mit einer beeindruckenden Attacke war der "Hai von Messina" am Montag auf der bis zu 20 Prozent steilen Rampe ins Ziel seinen Rivalen zu seinem zweiten Tagessieg davongezogen . Präsentiert sich Nibali im Hochgebirge ähnlich souverän, scheint die Tour 2014 so gut wie gelaufen.

Eisel setzt auf Porte

Eisel traut seinem Zimmerkollegen Porte aber zu, dem Italiener die Suppe  zu versalzen. Auf den langen Bergen sieht der Steirer den Australier im Vorteil. "Er kann zulegen, vor allem wenn es richtig heiß wird in den Pyrenäen", meinte Eisel. "Und er ist der bessere Zeitfahrer." Sollte Nibali seine überragende Form halten, sei er aber nicht mehr zu knacken.

Contador kommt um OP herum

Contador, der am Montag nach einem Sturz die Tour aufgab, muss nicht operiert werden. Die Verletzung am Schienbein lasse aber mit großer Wahrscheinlichkeit einen Start bei der Vuelta (Start am 23. August) nicht zu, gab der Spanier bekannt.  (sid/red - 15.7. 2014)

Gesamtwertung:

1. Nibali 42:33:38 Stunden - 2. Porte +2:23 Minuten - 3. Valverde 2:47 - 4. Bardet 3:01 - 5. Tony Gallopin (FRA) Lotto 3:12 - 6. Pinot 3:47 - 7. Van Garderen 3:56 - 8. Peraud 3:57 - 9. Rui Costa (POR) Lampre 3:58 - 10. Bauke Mollema (NED) Belkin 4:08. Weiter: 146. Eisel 1:40:28 Stunden

  • Fabian Cancellara auf der umstrittenen fünften Etappe der Tour, als es über die Kopfsteinpflaster bei Roubaix ging.
    foto: ap/dejong

    Fabian Cancellara auf der umstrittenen fünften Etappe der Tour, als es über die Kopfsteinpflaster bei Roubaix ging.

  • In bester Position: Vicenzo Nibali.
    foto: apa/epa/bouvy

    In bester Position: Vicenzo Nibali.

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