Das ewige Ringen um Anerkennung

16. Juli 2014, 11:47
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Frauenfußball hat in Österreich in den vergangenen Jahren einen Aufschwung erlebt, das Interesse daran ist aber noch überschaubar

"Ich spiele seit meinem sechsten Lebensjahr Fußball. Ich komme aus einer Fußballerfamilie", erzählt Natascha Celouch (28) im Rahmen der Diskussion "Frauen am Ball", die kürzlich im Wiener Topkino stattfand. Ihr Weg zum Fußball war ein typischer. Zunächst spielte Celouch in Bubenmannschaften. 15-jährig musste sie in ein Mädchenteam wechseln. Es war der SV Neulengbach, die beste Adresse im heimischen Frauenfußball.

Der Klub aus Niederösterreich wurde heuer zum zwölften Mal in Folge österreichischer Meister. Ab der kommenden Saison hat Celouch in Tina Charwat eine neue Teamkollegin. Die 19-Jährige wechselte vom USC Landhaus nach Neulengbach. Celouch und Charwat sind zwei von mehr als 16.000 gemeldeten Fußballerinnen in Österreich. Gerade in den vergangenen Jahren ist die Zahl rasant angestiegen. Auf die Marke von knapp 277.000 männlichen Spielern fehlt aber noch ein ganzes Stück.

Große Diskrepanz

Auch sonst herrscht eine große Diskrepanz zwischen Männer- und Frauenfußball. Die Zuschauerzahlen in der Frauen-Bundesliga liegen im zwei- bis dreistelligen Bereich. Vom Fußball leben können Spielerinnen in Österreich nicht. Auf "200 bis 1000 Euro" belaufe sich das Monatsgehalt von Bundesliga-Kickerinnen, sagt Walter Begusch, Obmann des SV Neulengbach. "Wir trainieren genauso viel wie die Männer. Irgendwie ist das schon deprimierend", sagt Celouch, die einem Vollzeitjob nachgeht. Bei den Männern, sagt die Verteidigerin, gehe es nur noch ums Geld. "Wir Frauen spielen aus Spaß."

Aus dem Spaß resultierte ein hohes Niveau. Neulengbach erreichte heuer erstmals das Viertelfinale der Champions League. Das Frauen-Nationalteam hat noch die Chance auf die Qualifikation für die WM 2015 in Kanada, liegt in der Weltrangliste auf Platz 26 - die Männer rangieren auf Position 42.

Wenig Aufmerksamkeit

Die Medienpräsenz ist dennoch überschaubar. Sponsoren stehen auch nicht Schlange. Und der Österreichische Fußballbund (ÖFB) hat auch nicht viel Geld für den Frauenfußball übrig. Celouch: "98 Prozent des Budgets sind für die Männer, zwei Prozent für die Frauen." Der ÖFB widerspricht. "Von 24 Millionen Euro Jahresbudget fließen zwei Millionen in den Frauenfußball", sagt Wolfgang Gramann, Direktor für Medien und Kommunikation.

Immerhin, die Zeit der blöden Sprüche scheint vorbei zu sein. Früher, erzählt, Tina Charwat, als sie noch in Burschenteams gespielt habe, habe sie schon einmal von den Gegnern gehört: "Schau, da spielt ein Mädel, da gewinnen wir locker." Aber jetzt, sagt sie, sei es okay. Auch die wenigen Zuschauer und Zuschauerinnen, die in die Stadien kommen, "kommen nicht, um uns zu diskriminieren", wie Celouch festhält.

Wer Frauenfußball einmal live gesehen hat, findet meist Gefallen daran. Allein, die Leute einmal dazu zu bringen sei schwierig, sagt Nikola Staritz vom Verein FairPlay. Die Politikwissenschaftlerin, die selbst aktiv Fußball spielt, beschäftigt sich mit Sport und Geschlechterverhältnissen.

Klischee

Und dann ist da noch dieses Klischee, von wegen Fußballerinnen müssten homosexuell sein. Celouch und Charwat gehen damit locker um. Im Gegensatz zum Männerfußball ist die sexuelle Orientierung kein Tabuthema. Mehrere Top-Spielerinnen wie die zur Weltfußballerin gewählte deutsche Teamtorhüterin Nadine Angerer haben sich geoutet.

Und von noch einem Vorzug von Fußballerinnen weiß Walter Begusch zu berichten: "Frauen haben nicht solche Starallüren." Begusch hat ein Ziel: "Zehn bis zwölf professionelle Spielerinnen in Österreich mit 1500 bis 2500 Euro Monatsverdienst." Ein bescheidenes Ziel. Für den Frauenfußball aber wäre das schon ein großer Schritt. (Birgit Riezinger, dieStandard.at, 16.7.2014)

  • Die Fußballerinnen vom SV Neulengbach (in Weiß-Schwarz) sind in Österreich tonangebend.
    foto: apa/helmut fohringer

    Die Fußballerinnen vom SV Neulengbach (in Weiß-Schwarz) sind in Österreich tonangebend.

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