Österreich nicht mehr größter Telekom-Aktionär

15. Juli 2014, 14:33
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Mexikanischer Mobilfunkanbieter des Milliardärs Carlos Slim, América Móvil, hält knapp 51 Prozent an Telekom Austria

Wien/Mexiko-Stadt - Der Staat Österreich ist nicht mehr größter Aktionär der Telekom Austria. Der zweitreichste Mann der Welt, Carlos Slim, hat mit seinem Übernahmeangebot weitere 23,5 Prozent der Aktien eingesammelt und kommt nun auf einen Anteil von 50,8 Prozent. Das teilte Slims Telekomkonzern America Movil in der Nacht auf Dienstag mit, in Österreich löste das erneute Kritik an der Staatsholding ÖIAG aus.

Die Aktien der Telekom Austria haben kaum auf die Nachrichten reagiert. Bis 14.00 gaben die Papiere nur leicht um 0,18 Prozent auf 7,16 Euro nach. Denn Slim könnte seinen Anteil bis Mitte Oktober noch weiter erhöhen. Bis dahin gibt es nämlich eine gesetzliche Nachfrist. Diese dreimonatige Nachfrist beginnt ab dem Tag, an dem das Ergebnis des Übernahmeangebots auf der Webseite der Übernahmekommission und im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" veröffentlicht wird, hieß es von der Behörde zur APA. Das wird für morgen, Mittwoch, erwartet. Die Nachfrist liefe dann bis zum 16. Oktober 2014.

Falls bis Mitte Oktober weitere Kleinleger ihre Telekom-Anteilsscheine an Slim abtreten, müsste dieser die Aktien wieder verkaufen. Slim und die ÖIAG haben in dem Ende April geschlossenen Syndikatsvertrag ausgemacht, dass mindestens 24 Prozent der Telekom-Aktien weiter an der Wiener Börse notieren sollen. "Wenn wir mehr als 50 Prozent der Aktien bekommen, so werden wir innerhalb von zwei Jahren so viele Aktien abgeben, um diesen Streubesitz sicher zu stellen", sagte der Finanzchef von America Movil, Carlos Garcia Moreno, Ende Mai im Nachrichtenmagazin "News".

Einfluss

Der Einfluss Slims auf die Telekom Austria war bereits durch einen Ende April zwischen Slim und der ÖIAG abgeschlossenen Syndikatsvertrag festgeschrieben worden. Der Vertrag sichert dem mexikanischen Telekomkonzern die alleinige Kontrolle über die Telekom Austria. Die ÖIAG bekommt im Gegenzug Vetorechte. Der Aktionärspakt ist seit Ende Juni in Kraft, nachdem alle Behörden grünes Licht gegeben haben. Der Aktionärspakt der ÖIAG mit Slim löste das Pflichtangebot aus. America Movil hat bis zum 10. Juli allen Kleinaktionären, die bisher rund 44 Prozent hielten, 7,15 Euro pro Aktie geboten. Hätten alle Anleger das Angebot angenommen, hätte Slim 1,4 Mrd. Euro auf den Tisch legen müssen. So sind es etwas mehr als 743 Mio. Euro. Zum Vergleich: Laut "Forbes" kommt Slim auf ein Vermögen von 78,5 Mrd. US-Dollar - das sind umgerechnet 57,6 Mrd. Euro.

Dass so viele Anleger ihre Aktien an Slim abgegeben haben, hat selbst Brancheninsider überrascht. Viele gingen davon aus, dass Slim zwar auf über 40, aber nicht auf über 50 Prozent kommt. Ein Grund dafür, dass Slim nun mehr als die Hälfte der Aktien hält, könnte das 400 Mio. Euro schwere Finanzloch der Telekom in Bulgarien sein, das mitten in das laufende Übernahmeangebot platzte. Dass der riesige Abschreibungsbedarf den Ausschlag zum Verkauf gegeben hat, hat zuletzt auch Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger gegenüber Reuters angedeutet. Auch viele große Banken hatten ihren Kunden empfohlen, die Offerte anzunehmen.

Die Staatsholding ÖIAG hat sich heute mit den aktuellen Entwicklungen zufrieden gezeigt. "Der Abschluss der Übernahmefrist ist ein wichtiger Meilenstein in der Wachstumspartnerschaft zwischen ÖIAG und America Movil", sagte ÖIAG-Sprecher Bernhard Nagiller. Nächster Schritt ist eine Kapitalerhöhung um 1 Mrd. Euro, die bis Mitte 2015 geplant ist.

"Gewichtige Rolle"

Die Staatsholding werde "langfristig mindestens 25 Prozent der Anteile an der Telekom Austria halten und weiterhin eine gewichtige Rolle bei der Entwicklung des Unternehmens spielen". Ziel sei es, die Telekom zu stärken "und einen umfangreichen Wachstumskurs in Zentral und Osteuropa sicherzustellen". Nagiller betonte, dass das Headquarter sowie alle wesentlichen Geschäftsfunktionen in Österreich "vertraglich abgesichert" seien.

Anders sehen das die Grünen. Sie orten erneut ein Versagen der Staatsholding ÖIAG. "So erfolgt eine stille Übernahme, denn vormals österreichischer Staatsbesitz ist nun mexikanisch", sagte die Telekomsprecherin der Grünen, Gabriela Moser, am Dienstag in einer Aussendung. Auch die Arbeiterkammer und die Gewerkschaften haben seit dem Abschluss des Syndikatsvertrags wiederholt Kritik daran geäußert.

14 Jahre nach dem Börsengang der Telekom Austria, beim dem viele Papiere als "Volksaktie" zum Ausgabepreis von 9 Euro an österreichische Kleinanleger verkauft worden sind, ist damit von der österreichischen Telekombranche nicht mehr viel übrig. Der einstige Monopolist befindet sich nunmehr unter der Kontrolle von Slim, T-Mobile Austria gehört zu 100 Prozent der Deutschen Telekom und Hutchison ("3", Drei) befindet sich im Eigentum des chinesischen Mischkonzerns Hutchison. Nicht anders sieht es im Festnetzbereich aus. Tele2 hat seinen Firmensitz im schwedischen Stockholm, Mitbewerber UPC befindet sich in der Hand der britischen Liberty Global.

Für America Movil ist die Übernahme eine wichtiger Wachstumsschritt in Europa. Das Unternehmen will sich unabhängiger vom südamerikanischen Heimatmarkt machen, wo eine strengere Regulierung die Erträge zu schmälern droht. Die Telekom Austria wollen die Mexikaner künftig als Plattform für weitere Zukäufe in Osteuropa nutzen. Der Schwerpunkt liege dabei auf Akquisitionen von Festnetzgesellschaften zur Stärkung der bestehenden Mobilfunkaktivitäten, schätzt LBBW-Analyst Stefan Borscheid laut Reuters. "Allerdings ist auch mit dem Einstieg in neue Länder zu rechnen." Neben dem österreichischen Konzern ist Slim auch an der niederländischen KPN beteiligt. Slim deutete in Holland allerdings zuletzt einen Ausstieg aus, sofern der Preis stimme. (APA, 15.7.2014)

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