Luftfahrtmesse: Briten laden Russen aus

14. Juli 2014, 18:37
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Ein Visastreit behindert Russlands Teilnahme an der Luftfahrtmesse Farnborough. Moskau klagt über massive Einbußen wegen politischer Ränkespiele

Moskau/London - Empfindlicher Schuss vor den Bug für den zweitgrößten Rüstungsexporteur der Welt: Bei der wichtigen Luft- und Raumfahrtmesse Farnborough können sich Russlands Flugzeugbauer nur eingeschränkt präsentieren. Nur fünf der 17 Delegationsmitglieder, die der Exportmonopolist für Rüstungsgeschäfte Rosoboronexport nach Großbritannien schicken wollte, bekamen ein Visum. Ohne Einreisepapiere standen auch Vertreter des russischen Industrieministeriums und mehrere russische Journalisten da.

Die geplante Präsentation von Kampfhubschraubern und -flugzeugen für Interessenten aus Nahost, Lateinamerika und Südostasien fällt damit ins Wasser. Die potenziellen Verluste seien gewaltig, klagt Moskau. Das russische Außenministerium hat eine Protestnote an London abgeschickt. "Wir sehen darin eine rein politische und durch nichts begründete Aktion", klagte Vizeaußenminister Alexej Meschkow.

London streitet das nicht ab: Wegen Russlands Verhalten in der Ukraine seien keine Einladungen an Moskauer Regierungsvertreter geschickt worden, heißt es. Das britische Außenministerium sprach sogar von der Absicht, in Farnborough "das Ausmaß der russischen Präsenz zu senken".

Angesichts dessen forderten mehrere russische Offizielle, "symmetrische Gegenmaßnahmen" zu treffen. Russlands für den Rüstungssektor verantwortlicher Vizepremier Dmitri Rogosin empfahl der russischen Delegation gar, die Messe zu boykottieren. Eine scharfe Antwort des Kremls wird in jedem Fall erwartet.

Die Farnborough International Airshow (bis 20. Juli) ist nach der Schau im französischen Le Bourget die zweitgrößte Luftfahrtmesse in Europa. Südwestlich von London treffen rund 1500 Aussteller auf voraussichtlich mehr als 200.000 Besucher. Sie können Verkehrs- und Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Drohnen am Boden und in der Luft sehen.

Ein Themenschwerpunkt in diesem Jahr ist "100 Jahre Luftfahrtgeschichte" , dazu sind Luftfahrzeuge aus jedem Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts zu sehen. Airbus und Boeing nutzen die Messe, um neue Modelle vorzustellen und milliardenschwere Aufträge bekannt zu geben. Auch kleinere Flugzeugbauer und Zulieferer zeigen ihre neuesten Entwicklungen. Wichtige Themen sind Spritsparen und unbemannte Luftfahrt, also die Weiterentwicklung von Drohnen. Für Militärexperten aus aller Welt ist Farnborough ebenfalls ein wichtiger Termin. (André Ballin aus Moskau, DER STANDARD, 15.7.2014)

  • Die russischen Flugzeugbauer können ihre Produkte bei der Messe in Farnborough nur sehr eingeschränkt präsentieren. Ein Großteil der Aussteller bekam kein Visum.

    Die russischen Flugzeugbauer können ihre Produkte bei der Messe in Farnborough nur sehr eingeschränkt präsentieren. Ein Großteil der Aussteller bekam kein Visum.

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