Pass-Streit: Deutsche lenken ein

15. Juli 2014, 05:30
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Seit März 2013 verweigerten die deutschen Behörden Raz S. (12) einen Pass. Bub und Vater konnten Österreich nicht verlassen. Nun ist plötzlich alles anders

Wien - Sechzehn Monate lebte der zwölfjährige Raz S. in Österreich wie der Fliegende Holländer auf See. Nun winkt ihm plötzlich gleich von zwei Seiten Befreiung: Wie berichtet, konnte der Bub Österreich seit Einziehung seines deutschen Passes durch die hiesige Botschaft nicht mehr verlassen - bis ihm vor zwölf Tagen von der für Ausländerangelegenheiten zuständigen Wiener MA 35 eine Aufenthaltskarte als Angehöriger eines EU-Bürgers ausgestellt wurde (DER STANDARD berichtete).

Die Karte berechtigt den in Gambia geborenen Sohn des Deutschen David S. (51) endlich wieder zum Reisen - etwa, um seine in Deutschland lebende Oma zu besuchen.

Brief von der Botschaft

Vergangenen Donnerstag nun fand David S. in seinem Postkasten ein Schreiben der deutschenBotschaft vor. Darin wird er gebeten, mit der diplomatischen Vertretung einen Termin zu vereinbaren, um zwei neue Dokumente vorzulegen, "damit anschließend zügig ein neuer Reisepass für Ihren Sohn Raz ausgestellt werden kann".

"Ich bin überrascht und sprachlos", reagiert der 51-Jährige auf diese Neuentwicklung. Vor der für heute, Dienstag, fixierten Botschaftsvorsprache empfindet er "eine gewisse Unsicherheit. Denn hoffentlich ist die angekündigte positive Entscheidung von Dauer".

Frage der "Abstammung"

Konkret will man in der Botschaft das Original einer vom Standesamt der deutschen Stadt Passau im diesjährigen Mai ausgestellten neuerlichen Geburtsurkunde für Raz sehen. Laut deutschemStaatsangehörigkeitsgesetz muss diese die "Abstammung" von einem deutschen Elternteil "hinreichend" nachweisen, damit ein deutscher Pass ausgestellt werden kann.

Auch die in Raz' Fall in Gambia erfolgte Eintragung von David S. als (nichtleiblicher) Vater gilt dazu als Nachweis - für den Fall, dass es eine valide Zustimmungserklärung der leiblichen Mutter gibt. Eine solche zweite - die erste war den deutschen Behörden als nicht mehr beweiskräftig genug bezeichnet worden - hat sich David S. beim österreichischen Honorarkonsul in Gambia beglaubigen lassen. "Ich wünsche mir sehr, dass das als Beweis hiermit ausreicht", sagt er.

Überbordender Briefverkehr

Begonnen hatten die Passprobleme von Vater und Sohn im März 2013. Nachdem Raz ohne gültiges Personaldokument war, musste David S. in Österreich einen fixen Job suchen. Ein ausführlicher, wenn nicht überbordendener Briefverkehr zwischen ihm, der Botschaft, dem Auswärtigen Amt und anderen Behörden in der Bundesrepublik hatte zu keiner Lösung geführt. Zuletzt hatten eine Reihe deutscher und österreichischer Zeitungen und Fernsehanstalten über den Fall berichtet. (Irene Brickner, DER STANDARD, 15.7.2014)

  • David S. (links) bei der Wiener MA 35, die dem zwölfjährigen Raz eine zum Reisen berechtigende Aufenthaltskarte gewährte. Nun könnte der Bub sogar seinen deutschen Pass zurückbekommen.
    Foto: Hendrich

    David S. (links) bei der Wiener MA 35, die dem zwölfjährigen Raz eine zum Reisen berechtigende Aufenthaltskarte gewährte. Nun könnte der Bub sogar seinen deutschen Pass zurückbekommen.

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