Umbau in Wiener SP: Keine rasend tolle Stimmung

Kommentar14. Juli 2014, 18:24
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Der überraschende Rücktritt des Wiener Landesparteisekretärs am ersten Tag nach der Fußball-WM löste bestimmt größere Reaktionen aus, als er es während des Spektakels in Brasilien getan hätte

Christian Deutsch ist jetzt überhaupt keine Absicht zu unterstellen. Aber der doch überraschende Rücktritt des Wiener Landesparteisekretärs via E-Mail an seine Mitarbeiter am ersten Tag nach der Fußball-WM löste bestimmt größere Reaktionen aus, als er es während des Spektakels in Brasilien getan hätte. Interessant ist, dass die Wiener SP die Nachfolge für eine ihrer zentralen Positionen erst in einigen Wochen bekanntgeben will - was nicht unbedingt für eine friktionsfreie Ablöse spricht.

Ein Umbau bei der SP vor der Wien-Wahl 2015 hat sich abgezeichnet. Deutsch galt trotz verlorener Absoluter bei der Wahl 2010 als tüchtiger und fähiger Arbeiter, in der Öffentlichkeit wirkte er allerdings farblos und wenig charismatisch. Das war selbst von Stimmen innerhalb der Wiener Stadtregierung zu vernehmen. Aber nicht zuletzt die Nähe zu Bundeskanzler Werner Faymann, unter dem er bei der Sozialistischen Jugend einst begann, sollen ihm viele Wiener Genossen übelgenommen haben.

Die Stimmung unter Wiens Sozialdemokraten soll nicht rasend toll sein, was vielleicht daran liegt, dass es die Wiener SP gar nicht gibt. Mehrere Fraktionen bestehen nebeneinander, die um Einfluss streiten. Jüngste Wahlerfolge des grünen Koalitionspartners und die positive Abstimmung zum Umbau der Mariahilfer Straße haben jene Gruppe wachsen lassen, die auch mit grünen Ideen sympathisieren. Andere lehnen die Vorstöße des Juniorpartners ab, schießen quer. Mit Blick auf die Wien-Wahl 2015 dürften jene, die um Konsens bemüht sind, auf der sicheren Seite sein.

Auch wenn Bürgermeister Michael Häupl die Rückeroberung der absoluten Mehrheit als Ziel ausgibt: Realistischer ist ein Weltmeistertitel der Brasilianer 2018. Koalitionen mit der FP und den Neos wurden ausgeschlossen. Ob ein Pakt mit der ÖVP der Weisheit letzter Schluss ist, sei auch mit Blick auf die Bundesregierung dahingestellt.  (David Krutzler, DER STANDARD, 15.7.2014)

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