Fleisch ist der Salat des Schicksals

15. Juli 2014, 14:09
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Beim Roten Bären in Wien-Alsergrund: Freude mit Fledermaus, Flachsen und Spätzle

Ich bin ja nicht so der Freund von lustig benannten Speisen. Ich bin eigentlich auch nicht so der Freund von Käsespätzlepfandln. Aber: Ich war schon das eine oder andere Mal kosten im Roten Bären in Wien-Alsergrund. Und fand: Es ist höchste Zeit, das grundsympathische Wirtshaus endlich auch in Schmeck's zu würdigen.

Und wenn schon, dann: a) "Schicksala" b) Spätzle mit Käse in der Pfanne. Und? Sehen Sie selbst, das Licht war ausnahmsweise recht günstig.

foto: harald fidler

Nein, das war nicht die Vorspeis' von der Wunderbaren, die ließ mich ausnahmsweise im Stich und mit dem liebsten Freunde allein. Was der mit leuchtenden Augen von der Leberknödelsuppe berichtete? Er mag's, wenn man dem Leberknödel seine Herkunft anmerkt und sich vielleicht auch das eine oder andere flachsigere Stück im Knödel findet. Ich hätte das ja auch ganz gern gehabt. Aber: Sie war schon weggeputzt, als ich rüberspitzeln wollte.

foto: harald fidler

So sah mein Schicksal aus: Schicksala heißt Schicksals-Salat, jedenfalls hat man mir das auf Nachfrage erklärt. Drin ist, was das Schicksal für mich vorgesehen hat. Ein ganz schönes Schicksal, muss ich sagen, gerade, wenn man einen Salat erwartet.

Mein Schicksal ist fast rohes Fleisch, warm, ich tippe auf Flank Steak oder verwandte Teile, langfasrig, und doch sehr zart. Viel Kernöl, Erdäpfel, ein paar der besten roten Rüben überhaupt, auch da trifft Schicksal ziemlich genau auf persönlichen Geschmack. Nicht mein Traum, aber schwer okay: die cremig-mayonnaisigen Gupferln. Mayonnaisig sagt jedenfalls meine Erinnerung, da kann ich mich aber täuschen.

foto: harald fidler

Die Fledermaus von gegenüber, paniert und, klar, vom Schwein. Auch von dem hab ich kein Stück bekommen. Ich würde sagen: ein Qualitätsausweis. Nur der Salat war ihm, dem Steirer, ein bisschen zu großzügig kerngeölt. Soll einem nichts Schlimmeres widerfahren, sag ich.

Ich hätte mir ohnehin sehr schwer getan, noch auf einem anderen Teller zuzugreifen. Genau: Das Pfandl.

foto: harald fidler

Darf ich vorstellen: Eierschwammerl-Wildkräuter-Spätzle mit geräuchertem Gouda und Blattsalat. Schmecks-Kenner raten richtig: Ich mag Eierschwammerl, aber kein Eierschwammerlgulasch. Daher entschied ich mich für die Spätzle mit Käse. Und zu meiner Überraschung: Die Schwammerl setzen sich erfreulich selbstbewusst gegen Milch- und Teigware durch.

Aber: Eine Zirbe oder ein ernsthafterer Schnaps aus dem anständigen Angebot beim Roten Bären hilft dann doch (gefühlt jedenfalls) neben dem Kaffee, um den Pfanneninhalt zu verarbeiten.

Die Wunderbare hat mich übrigens schließlich doch noch gescholten, dass sie nicht dabei war: Im Roten Bären serviert man Frankfurter und Pommes paniert, schmachtete sie mir aus der Speisekarte vor. Ich kann ja dann Leberknödel und Fledermaus kosten. Wenn mein Schicksal mitspielt. (Harald Fidler, derStandard.at, 15.7.2014)

Zum Roten Bären

Berggasse 39
1090 Wien
01/317 61 50

Zweimal zwei Gänge, Bier, Saft, Kaffee, Schnaps: rund 55 Euro.

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