Haustier-Rätsel hat womöglich eine einfache Lösung

14. Juli 2014, 18:05
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Quer durch alle Spezies haben domestizierte Tiere einige ähnliche jedoch nicht gewünsche Merkmale - Woran das liegt, war bisher unklar

Berlin/Wien - Schon Charles Darwin hat das Problem der Domestikation beschäftigt. Und bei Konrad Lorenz hat es geholfen, dass sich der Forscher ideologisch den Nationalsozialisten annäherte. Konkret geht es um den Befund, dass Haustiere - egal, ob Schafe, Schweine, Kaninchen oder Hunde - nicht nur zahmer sind als ihre wilden Vorfahren, sondern sich auch in äußeren Merkmalen von diesen unterscheiden.

Die Domestikation führt konkret dazu, dass quer durch alle Spezies Haustiere tendenziell rundlichere Gesichter und kleinere Gehirne haben; außerdem weist ihr Fell oft weiße Flecken auf. Wie aber kommt es zu diesen Veränderungen, die auch als Domestikationssyndrom bezeichnet werden und eigentlich gar nicht gewünscht werden?

Forscher um Adam Wilkins (Humboldt Universität Berlin) und Tecumseh Fitch (Universität Wien) warten nun im Fachblatt "Genetics" mit einer einfachen Antwort auf diese alte Frage auf: Sie vermuten, dass die Effekte ihre Ursache in der frühen Embryonalentwicklung der Tiere haben. Konkret geht es um eine einzige Gruppe von Stammzellen, die in verschiedene Körperteile wandern: die sogenannte Neuralleiste.

Ein Faktor, mehrere Folgen

Defekte in der Neuralleiste können dazu führen, dass die Nebennieren weniger Stresshormone produzieren, was die betroffenen Tiere zahmer macht. Zugleich könnten die Schäden dieser Stammzellen auch zu leichten Fehlbildungen am Schädel, den Ohren und zu Pigmentstörungen in der Haut führen. Und auch die Gehirnentwicklung sei davon negativ betroffen.

Damit könne man erstmals verschiedene Merkmale unterschiedlicher Haustiere mit einem einzigen Faktor erklären. (tasch, DER STANDARD, 15.7.2014)

  • Zwischen dem Wolf und seinem domestizierten Nachfahren hier mögen einige Generationen liegen. Neben den bewusst herangezüchteten Merkmalen haben solche Haustiere auch einige unbeabsichtigte Eigenschaften - und zwar quer über die Artgrenzen hinweg.
    foto: ap photo/courtney dasher

    Zwischen dem Wolf und seinem domestizierten Nachfahren hier mögen einige Generationen liegen. Neben den bewusst herangezüchteten Merkmalen haben solche Haustiere auch einige unbeabsichtigte Eigenschaften - und zwar quer über die Artgrenzen hinweg.

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