Prozess in Wien: "Wunderbares Madl" und "Drecksau" 

14. Juli 2014, 13:59
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Ein 41-Jähriger soll seine Frau über Monate misshandelt und ihr schließlich zwei Wirbel gebrochen haben. Er gesteht - was, bleibt aber unklar 

Wien - "Sie ist ein ganz wunderbares Madl und die Mutter meiner Kinder", sagt der bullige Angeklagte Christian K. mit weinerlicher Stimme zu Richterin Sonja Weis. Gleichzeitig war seine 34-jährige Frau eine "Drecksau": "Wenn Sie nicht saubergemacht hat", erzählt der 41-Jährige.

Absichtlich schwere Körperverletzung und fortgesetzte Gewaltausübung wirft ihm die Staatsanwältin Ursula Kropiunig vor. Begonnen soll es spätestens im Sommer 2013 haben, gegipfelt hat es am 21. Jänner in einem Meidlinger Lokal: Er soll der Frau unter anderem mit einem Maurerfäustl zwei Lendenwirbel gebrochen haben.

Kontakt aus dem Gefängnis

K. gesteht - nur was, ist eigentlich unklar. Er beginnt, den Hintergrund zu schildern. Kennengelernt hat er die Frau im Jahr 2005 - telefonisch. "Ich bin in Garsten gesessen und habe meinen Bruder angerufen. Im Hintergrund habe ich die Kellnerin reden gehört und habe ihm gesagt, er soll sie mir ans Telefon holen."

"Ich wollte wieder einmal mit einer Frau telefonieren nach so langer Zeit", sagt der wegen versuchten Mordes Vorbestrafte. "Es war Liebe pur." Geheiratet wurde während eines Freigangs, zwei Kinder kamen zur Welt.

"Und wie hat sich Ihre Beziehung entwickelt?", erkundigt sich Richterin Weis. "Ich habe immer das Wort Partnerschaft gewählt, Beziehung kommt nämlich von Ziehen", stellt K. klar. Es habe "Höhen und Tiefen gegeben", aber keine wirkliche Gewalt.

Gemeinsames Lokal

Gemeinsam übernahm man ein Lokal, was eher keine gute Idee gewesen ist. Er war als Wirt selbst sein bester Gast, sagt er heute, im Jahr 2009 sei der Alkoholmissbrauch nach dem Tod seines Bruders immer schlimmer geworden.

Daheim gab es Streit und kleinere Rangeleien. "Und wo ist da die strafbare Handlung?", wirft die Richterin ein. Es gab keine, beteuert der Angeklagte. Was seltsam ist, denn sowohl Familienmitglieder als auch Arbeitskolleginnen der Frau bemerkten in schöner Regelmäßigkeit Verletzungen.

Für die K. ganz andere Erklärungen hat: Ein blaues Auge sei beim Sturz an einem Pool entstanden. Ein Rippenbruch beim Fußballspielen mit dem Sohn. Und zwei blaue Augen seien ein nächtlicher Unglücksfall gewesen: Er habe sich im Schlaf umgedreht und seine Frau unabsichtlich mit dem Ellbogen ins Gesicht getroffen. "Und davon hat sie zwei blaue Augen", stellt Weis verwundert fest.

Angeblicher Seitensprung

Verheerend wurde die Lage ab Sommer 2013, als K. davon überzeugt war, dass seine Frau einen Seitensprung mit einem Bekannten vollzogen habe. Interessanterweise zeigte die Frau diesen zunächst wegen Vergewaltigung an, zog die Anzeige am nächsten Tag zurück und wurde dafür wegen Verleumdung zu sechs Monaten bedingt verurteilt.

Der Bekannte beteuert als Zeuge dagegen, dass nie etwas gewesen sei. "Darf ich noch etwas sagen?", fragt der Angeklagte am Ende der Zeugenaussage. "Sie können eine Frage stellen", erklärt ihm die Richterin. Tut er nicht. "Danke, dass du mein Familienleben zerstört hast", giftet K. stattdessen den Zeugen an.

Der angebliche Seitensprung führte jedenfalls zur Ehekrise. Am 21. Jänner kam es im gemeinsamen Lokal wieder zu einer Auseinandersetzung. Die endete im Kühlraum. Danach hatte die Frau Bisswunden an der Nase, einen Nasenbeinbruch, Prellungen an Auge und Jochbein und zwei gebrochene Lendenwirbel.

Gegen Kisten gefallen

Letzteres kann sich der Angeklagte nur dadurch erklären, dass seine Partnerin bei einer Schubserei gegen eine Kiste gefallen sein müsse. Einzig für die Nasenverletzung hat er eine Begründung.

"Wir haben uns dann wieder vertragen, ich habe sie zuwidruckt und dabei an der Nase verletzt." "Durch Zuwidrucken bricht keine Nase", merkt der Gerichtsmediziner Christian Reiter trocken an.

Der Sachverständige hält auch die Schilderung der Frau für plausibel, dass der Wirbelbruch durch eine Attacke mit einem Maurerfäustl entstanden ist. Auch eine Prellung an der Hand passt zu einer Abwehrbewegung gegen den Schlag.

Belastende Zeugenaussagen

Für die zahllosen belastenden Zeugenaussagen bietet K. ein Potpourri an Begründungen. Die Schwiegermutter sei "eine absolut rabiate Person", die ihn noch nie leiden konnte. Mit seiner Schwester und seiner Nichte gebe es finanzielle Streitigkeiten. Dass sich sein Vater nicht an den angeblichen Pool-Unfall erinnern könne, sei ihm unerklärlich.

Und dass seine Noch-Frau in mehreren Vernehmungen zahllose Attacken beschrieben hatte, kann für ihn nur den Grund haben, dass er ihr einen zornigen Drohbrief aus der Haft geschrieben habe. "Meistens habe ich Watschen bekommen, ich habe mir gedacht, ich bin jung, wahrscheinlich brauche ich das", hat die Frau bei einer Einvernahme übrigens gesagt.

Zur Ladung weiterer Zeugen wird auf September vertagt. (Michael Möseneder, derStandard.at, 14.7.2014)

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