Wiener SP-Landessekretär Christian Deutsch tritt zurück

14. Juli 2014, 18:08
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Amtsübergabe an noch unbekannten Nachfolger mit 31. Juli - Deutsch bleibt Gemeinderat - Weitere personelle Konsequenzen bei Wiener SP möglich

Wien - Seiner Partei wollte Christian Deutsch mit seinem Rücktritt "neuen Elan" sowie eine Neuaufstellung für die Wien-Wahl im kommenden Jahr ermöglichen. Das kündigte der Landesparteisekretär der Wiener SP am Montag in einer E-Mail an seine Mitarbeiter an. Ende Juli wird Deutsch nach fast sechsjähriger Tätigkeit sein Amt zurücklegen.

Der 52-Jährige wird aber Gemeinderatsabgeordneter bleiben und sich seinem Wahlkreis Liesing widmen. Beruflich werde er sich neu orientieren. Der Rücktritt soll nach Angaben der Wiener SP "seine persönliche Entscheidung" gewesen sein. Bürgermeister Michael Häupl akzeptierte diese und dankte Deutsch "für die Arbeit der vergangenen Jahre".

Faymanns Vertrauter

Deutsch gilt als Intimus von Bundeskanzler Werner Faymann: 1983, als Deutsch seine politische Karriere als Landessekretär bei der Sozialistischen Jugend begann, war Faymann deren Vorsitzender. Beide waren Konsulenten der Zentralsparkasse, beide waren in der Mietervereinigung tätig.

Auch den politischen Heimatbezirk Liesing teilen sie sich. Just diese Nähe zum Kanzler könnte Deutsch zum Verhängnis geworden sein: Innerhalb der Wiener SP dürfte zuletzt jene Fraktion, die sich - auch wegen der schwachen Umfragewerte - von der Bundesparteispitze distanziert, einflussreicher geworden sein.

"Handschlagqualität"

Wer die Neuaufstellung des Landesparteisekretariats federführend leiten wird, hat die SP noch nicht bekanntgegeben. Das verwunderte unter anderem David Ellensohn, den Klubobmann des grünen Koalitionspartners, im Gespräch mit dem STANDARD. "Ich bin überrascht, dass nach dem Rücktritt nicht gleich ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin benannt wurde." Ellensohn, der Deutsch als "Profi der Kommunalpolitik" bezeichnete, attestierte er "Handschlagqualität".

Eine Entscheidung über die Nachfolge soll laut SP in den nächsten Wochen fallen. Als Favoritin gilt Katharina Schinner: Die 34-Jährige mit Wurzeln im sozialdemokratischen Wirtschaftsverband wurde Ende Oktober 2013 zur Landesparteisekretär-Stellvertreterin bestellt.

Ein Vorschlagsrecht hat der Landesparteivorsitzende - in diesem Fall Bürgermeister Michael Häupl - inne. Die Beschlussfassung folgt dann im Wiener Parteivorstand.

Absolute als Ziel

Der Nachfolger oder die Nachfolgerin steht jedenfalls vor keiner einfachen Aufgabe: Die Wahlkampf-Kampagne für die Wien-Wahl 2015 vorzubereiten, an deren Ende wieder eine absolute Mehrheit stehen soll. Diese verlor man unter Deutschs Wahlkampfleitung 2010.

Eine Absolute geht sich aber nach aktuellen Umfragen derzeit bei weitem nicht aus. Innerhalb der Wiener SP wird nicht abgestritten, dass sich die Partei nach dem doch überraschenden Rücktritt von Deutsch eine weitere Frischzellenkur verpasst. Nach der baldigen Klärung der Nachfolge im Landesparteisekretariat "kann es Folgekonsequenzen geben", heißt es. Um die Partei auf frische Beine zu stellen, sei jetzt der ideale Zeitpunkt.

Auch inhaltlich bastelt die SP an Konzepten für die Wien-Wahl. Den zuletzt größten Stadt-Aufreger, die erfolgreiche Befragung zum Umbau der Mariahilfer Straße, konnte sich vor allem der grüne Koalitionspartner auf die Fahnen heften. (David Krutzler, DER STANDARD, 15.7.2014)

  • Christian Deutsch hatte 2010 die Wahlkampfleitung bei der Wien-Wahl inne. Für 2015 muss sich Bürgermeister Michael Häupl um einen Nachfolger umsehen.
    foto: standard/corn

    Christian Deutsch hatte 2010 die Wahlkampfleitung bei der Wien-Wahl inne. Für 2015 muss sich Bürgermeister Michael Häupl um einen Nachfolger umsehen.

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