Internetkabel durchs Kriegsgebiet: Wie Provider Ausfälle vermeiden 

14. Juli 2014, 10:48
10 Postings

Der Nahe Osten und Teile Asiens sind mit Europa nur per Glasfaser durch Krisengebiete verbunden

Gleich zwei Unterwasserkabeln vor der ägyptischen Küste wurde im Jänner 2008 der Garaus gemacht. Die Folge: 80 Prozent des ägyptischen Internets fielen aus, 40 Prozent in Saudi-Arabien – und sogar im tausende Kilometer entfernten Bangladesch verschlechterte sich die Leistung um ein Drittel. Schuld an den gekappten Unterwasserkabeln soll übrigens ein Schiffsanker gewesen sein.

Finanzbranche braucht schnelles Netz

Ein Weckruf für die großen Internetprovider, die sich international in Konsortien organisieren, um die globale Infrastruktur zu bauen und dann zu verwalten. Schnell war ihnen klar, dass ein derartiger Blackout sich nicht wiederholen dürfe. Zwar spielen die Bedürfnisse der Bevölkerung bestimmt eine Rolle, vor allem dominieren aber (finanz-)wirtschaftliche Aspekte: So werden die Transaktionen mit Wertpapieren oder Derivaten automatisiert über das Internet vorgenommen, ein Ausfall zwischen London und beispielsweise Abu Dhabi stört hier massiv.

Vier weitere Kabel

Daher wurde schon 2008 mit der Errichtung von vier weiteren, extrem leistungsstarken Kabeln begonnen, die über den Landweg von Ost nach West führen sollen. Das Problem dabei: Mittlerweile passieren alle Kabel Krisenregionen, ihre Sicherheit kann dabei nicht mehr gewährt werden. So führen die vier Kabel jeweils über Jemen/den Golf von Aden/Ägypten, den Irak, Syrien oder die Ostukraine.

Reparaturen während Gefechten

Die Infrastruktur steht dabei durchaus im Zentrum der Gefechte: Auf Buzzfeed wird etwa beschrieben, wie syrische IT-Arbeiter während eines Kampfes „ausrücken“, um ein beschädigtes Kabel zu reparieren. Andere Probleme bereiten politische Spannungen, beispielsweise fehlende Koordination zwischen der Regierung der kurdischen Autonomiegebiete und der irakischen Zentralregierung. Provider müssen also hoffen, dass ihre Kabel von den Spannungen verschont werden. Alternativen gibt es keine; als einzige Hilfestellung könnten noch mehr Kabel installiert werden. (fsc, derStandard.at, 14.7.2014)

Links:

Buzzfeed

  • Arbeiter installieren ein Unterwasserkabel an der ostafrikanischen Küste
    foto: reuters/ho

    Arbeiter installieren ein Unterwasserkabel an der ostafrikanischen Küste

  • Das Kabel soll großteils über Land geführt werden, damit Ausfälle vermieden werden
    foto: ap/stringer

    Das Kabel soll großteils über Land geführt werden, damit Ausfälle vermieden werden

Share if you care.