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Das Geheimnis des Kohlemachens

18. Juli 2014, 10:12

Köhlerei ist ein nahezu vergessenes Handwerk. Doch am Hof von Johann und Theresia Hochecker bei Michelbach in Niederösterreich raucht es den ganzen Sommer über. Sie produzieren noch echte Holzkohle, die Grill-Profis zum Schwärmen bringt.

Wer sich auf den Weg zum Bauernhof der Hocheckers macht, hat ein klares Ziel: Holzkohle zu kaufen oder etwas darüber zu lernen. Nichts erzeugt eine bessere Glut, "weil wir nur große Stücke in die Säcke füllen", erklärt Theresia Hochecker gerade einer Gruppe, die mit einem Bus nach Kleindurlas bei Michelbach gekommen ist. Die Besucher wollen heute erfahren, wie Kohle erzeugt wird, denn die Hocheckers sind eine von nur mehr 15 Familien, die sich noch auf dieses alte Handwerk verstehen.

Die Leut‘ finden, es riecht bei uns geselcht wie in einer Räucherkammer

Dass hier von März bis September Holz verbrannt wird, kann man riechen. Theresia Hochecker zeigt auf den fünf Meter hohen Meiler, aus dem weißer Rauch aufsteigt. Die beiden haben ihn in tagelanger Arbeit selbst aufgeschichtet. Was zu Beginn wie ein kleines Lagerfeuer mit einem sehr langen Rohr in der Mitte ausgesehen hat, ist jeden Tag Schicht um Schicht gewachsen. Holzscheite von Buche, Eiche, Fichte und Tanne wurden zu einem kreisrunden, dreistöckigen Gebilde aufgebaut, mit Reisig aus dem Wald behängt und schließlich mit Lösch – einem Gemisch aus Erde, Sand und Asche –  abgedeckt. Der fünf Meter hohe Turm sieht ein bisschen wie eine mittelalterliche Festung aus. Das lange Rohr in der Mitte dient zum Anzünden des Meilers. Damit dieser auch ordentlich zu brennen beginnt, werden durch das Rohr so lange Holzscheite nachgefüllt, bis der Stoß von oben Feuer fängt. Denn Kohle entsteht von oben nach unten, wird man bei der Führung erfahren und auch, dass in der Köhlerei Nachtschichten ganz normal sind.

Vor dem Schlafengehen muss kontrolliert werden, ob alles im Meiler nach Plan verläuft. Johann Hochecker hat das im Gespür. Wenn er auf die Leiter steigt und mit seinem Ansticheisen in den Meiler bohrt, kann er den Verkohlungsgrad im Inneren feststellen. Drei Wochen dauert es, bis der Verkohlungsvorgang vollständig abgeschlossen ist. Dann kann der Meiler gelöscht, die zerkleinerten Holzkohlestücke in Säcke abgefüllt und verkauft werden.

Ob damals für die Eisenindustrie oder heute fürs Grillen und den Garten: Kohle wird geschätzt

"Die Profi-Griller in Österreich kennen uns und decken sich bei uns meistens für die ganze Saison ein", erzählt Theresia Hochecker, die die Köhlerei von ihren Schwiegereltern "geerbt" hat. Traditionell habe es in der Gegend schon immer Köhler gegeben, die seinerzeit die Eisenindustrie in Lilienfeld belieferten, erzählt sie. Seit einigen Jahren steigt die Nachfrage nach Kohle wieder kontinuierlich an. Neben den passionierten Grillmeistern kommen zunehmend auch Gärtner, die mit dem Holzkohlestaub und kleinen Holzkohlestücken Erde fruchtbar machen wollen – "Terra Preta" ist der Fachbegriff. Wofür die Kohle letztendlich Verwendung findet, macht für die Köhler keinen Unterschied. "Mich freut, dass die Leute unser Handwerk schätzen", sagt Hochecker. Kohlemachen wurde unlängst sogar unter den Schutz der Unesco gestellt.


Weiterlesen im Blog von Franz Radatz.

  • Geschätztes Handwerk: Köhlerei.
    foto: radatz

    Geschätztes Handwerk: Köhlerei.

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